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Cover - Lynn Hill: Climbing free

Lynn Hill mit Greg Child

CLIMBING FREE

In den steilsten Wänden der Welt

(2002, Malik, ISBN 3-89029-202-X)


Umschlagtext:

Es war eine Frau, die 1993 mit ihrer Leistung die Grundfeste der alpinen Männerwelt erschütterte: Lynn Hill kletterte als erste frei durch die Riesenwand The Nose des El Capitan im Yosemite Nationalpark. El Cap war die ultimative Herausforderung. Von der nötigen Ausdauer, Energie und Willenskraft her, konnte sie durchaus auf einer Stufe stehen mit dem Marsch zum Südpol.

In "Climbing Free" beschreibt die bekannteste Free-Climberin der Welt eine einzigartige Unternehmung, ihre Kletterkarriere, die sie als talentierte 14jährige begann, und wie sie immer wieder die Kraft und den Mut für solche Extreme aufbringt.

Bei aller Leidenschaft verbirgt Lynn Hill nicht, dass sie den Sport auch in Frage stellt. Mehr als einmal sah sie selbst dem Tod ins Gesicht, und einige ihrer engen Freunde haben für das Klettern mit dem Leben bezahlt. Doch das Risiko, dem sie sich aussetzt, verblasst gegen die faszinierenden Felswände und Landschaften und gegen die Schönheit des Moments, wenn sie ganz oben steht.


"Der Shield ist eine Bigwall-Erfahrung, die sich völlig von der Nose unterscheidet. Die Nose ist steil, vor allem im oberen Drittel der Route in den riesigen Verschneidungen, der Shield hängt dagegen so weit über, daß ein Tropfen Wasser, der vom Ausstieg der Route hinunterfällt, in 60 Metern Entfernung vom Fuß der Wand landen würde. Der letzte Abschnitt der Route - die etwa 300 Meter lange Headwall - ragt so weit in das Tal hinein, daß ich, als ich zum ersten Mal Kletterer daran sah, unwillkürlich an zwei Fliegen denken mußte, die auf der Unterseite eines riesigen Fesselballons krabbeln /.../ Doch die Risse des Shield sind nicht viel breiter als ein Faden. In sie mußten wir winzige Haken hämmern, immer einen nach dem anderen, und das über lange Strecken. Man hing an den Haken in leiterähnlichen Schlingen und bewegte sich zentimeterweise nach oben. Für 30 Meter brauchte man manchmal Stunden. /.../ Die Durchsteigung des Shield würde auch eine andere neue Erfahrung mit sich bringen: Wir mußten in der Wand leben, /.../ nicht nur schlafen, auch essen, klettern, sogar die natürlichen Bedürfnisse verrichten, fand im Hängen statt. Wir versuchten uns am Bigwall-Klettern in seiner härtesten Form."

(Lynn Hill/Greg Child "CLIMBING FREE", S. 136f)


Kommentar:

Nichts für Leser mit Höhenangst!

Gleich vorweg: Dieses Buch sollte nur zur Hand nehmen, wer absolut schwindelfrei ist. Schon die geringste Höhenangst und du stürzt ab. Die Naheinstellungen, die Lynn Hill in ihrer Biografie liefert, sind tatsächlich schwindelerregend: die Fingerkuppen als letztmögliche Sicherung gegen den Absturz, winzige Haken, an denen der Kletterer baumelt, gestraffte Seile, an denen er zwischen den senkrechten Türmen des Yosemite Valley pendelt ...

Klettern und Klettergeschichte in Perfektion.

Lynn Hill ist es gelungen, jenes "Feeling" in Worte zu kleiden, dessentwegen sie selbst so oft ihr Leben riskiert hat: das Gefühl, schwerelos zwischen Sturz und Erfolg zu schweben, oder die "Sargzone" (= alpin "Todeszone") zu überwinden, die schwierigsten Routen der Welt wie "The Nose" oder "The Shield" am El Capitan zu bewältigen oder das Gefühl, auf dem Sims einer senkrechten Wand zu sitzen, unter sich schwarzes Nichts, über sich nur der Himmel ...

Lynn Hill sprengt in "Climbing free" das Œvre der reinen Kletterstorys. Sie belässt es nicht bei der Aufzählung von Schwierigkeitsgraden und Seillängen, nein, sie gewährt überdies einen faszinierenden Einblick in die Lebensart der Kletterszene und in die komplexe Denkweise von Menschen, die ihr Leben in der Vertikalen verbringen. Boulderer und Fee-Solo-Kletterer, Extremisten und Verrückte, Exzentriker und Ausgeflippte - allesamt Klettersüchtige, die sich gewandt wie Spinnen über die schwierigsten Wände der Welt bewegen, aber in ihrer "bürgerlichen" Existenz meist hoffnungslos abstürzen.

Das Autorenteam Hill/Child weitet die Erzählperspektive genauso gekonnt auf die Geschichte des Extremkletterns, wie sie sie wieder an Tragödien und Dramen verengt oder den Leserblick an den kleinsten Riss des El Capitan zoomt.

Lynn Hill, selbst ein "Dynamo von 1,52 m Größe", bricht mit Konsequenz und Hartnäckigkeit in eine Männerdomäne ein und bringt es zur besten Free-Climberin der Welt. An die Grenze des Machbaren und darüber hinaus gehen, die Schwerelosigkeit überlisten, aber auch das Klettern zur Selbstbefreiung und Therapie nützen, das ist die Philosophie Hills und ihrer "Artgenossen".

"Bigwall-Thriller" pur nicht nur für Kletterer - nur schwindelfrei sollte man sein ...


Zu den Autoren:

Lynn Hill (41), beste Free-Climberin der Welt, hatte Anfang der 90er Jahre alle Wettbewerbe der Szene gewonnen. Nur die Natur konnte und kann sie noch herausfordern. 1993 kletterte Hill als erste frei durch die Riesenwand The Nose des El Capitan im Yosemite Nationalpark. Sie lebt in Colorado.

Greg Child (43), international bekannter Kletterer und Bergsteiger, schreibt seit zwanzig Jahren erfolgreiche Sportbücher und Magazinbeiträge. Er lebt in Utah.