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Wo die Schneelöwen tanzen

Peter Meier-Hüsing

Wo die Schneelöwen tanzen

Maurice Wilsons vergessene Everest-Besteigung

(2003, Malik, ISBN 3-89029-249-6)


Klappentext:

Er war allein gekommen, ohne zweihundert Yaks, ohne dreihundert Sherpas, ohne viertausend Pfund in der Expeditionskasse. Hatten nicht alle gelacht, als er 1933 in London behauptete, er würde den Spuren des großartigen legendären George Mallory folgen? Er, Maurice Wilson, der nach dem Krieg von allen Ärzten aufgegebene, innerlich zerrissene, unglücklich verliebte Kaufmannssohn aus Mittelengland?

Nach einem abenteuerlichen Flug im offenen Doppeldecker landet Wilson in Indien und überquert illegal und nicht weniger abenteuerlich die Grenze nach Tibet. Und nun stand er hier, im Angesicht des Mount Everest ...

Mit Hilfe der Tagebücher und Briefe Wilsons erzählt Peter Meier-Hüsing, der lange in England und am Everest recherchierte, erstmals die unglaubliche, wahre Geschichte der einsamsten Everest-Besteigung aus dem Jahr 1934 und liefert einen aufregenden Bericht aus einer Zeit, als der Himalaja noch den Tibetern gehörte.


Kommentar:

Das bizarrste Kapitel in der Geschichte des Everest

"Ich werde den Everest besteigen - allein." Für diesen Satz liebt ihn die englische Presse und hasst ihn die Royal Geographic Society. Maurice Wilson, der Exzentriker, wird an seine Vision glauben - bis zur letzten Stunde im ewigen Eis des Everest.

1934. Maurice Wilson, Hauptmann der britischen Armee und Amateur-Pilot ohne Fluglizenz, gleitet mit einem Jagdflugzeug über die Alpen nach Kalkutta. Er, der Amateur-Bergsteiger ohne jede Erfahrung, beabsichtigt, den Gipfel des Mount Everest zu Fuß zu erreichen und dort den Union Jack aufzupflanzen.

Maurice Wilson, ein Träumer, Exzentriker, Verrückter, Visionär? Wahrscheinlich von allem etwas, eines ist er aber sicher: Der Prototyp eines Willensmenschen, der sich ein Ziel gesetzt hat - und mag es noch so unerreichbar scheinen - und diesem Ziel - koste es, was es wolle - mit einer Verbissenheit zustrebt, die ihm schließlich das Leben kostet. Und das beeindruckt bis in unsere Zeit.
Wilson spaziert wie ein Don Quichote moderner Prägung über Grenzen, als gäbe es sie nicht; er ignoriert staatspolitische, kulturelle und religiöse Usancen wie lästige Beiwerke, überwindet Kontinente, Meere, die Eisbrüche des Everest, als seien sie bloß kleine Stufen zu seinem Ziel, den Gipfel des Everest. Wilson zerreißt alle gesellschaftlichen Fesseln, bricht aus dem Korsett von Konventionen und Lehrmeinungen aus und macht sich auf, SEINEN Traum Realität werden zu lassen. Obwohl ihn die ganze Welt zurückhalten will, obwohl sein Vorhaben vollkommene Illusion ist, obwohl selbst in keinster Weise für sein Vorhaben geeignet, lässt sich Wilson nicht von seinem Plan abbringen. Seine Aktion empfand selbst Reinhold Messner als "das bizarrste Kapitel in der Geschichte des Everest".

Das Buch liest sich ungemein flüssig und spannend. Seitenblicke auf Geschichte und Politik werden unmerkbar in den fesselnden Plot eingewoben. In einer bemerkenswerten Mischung aus Reportage und Roman verknüpft Peter Meier-Hüsing die unterschiedlichen politischen Ambitionen der Himalaja-Staaten mit den Interessen britischer Alpinisten, die religiösen Vorstellungen und fremden Mythen buddhistischer Nationen mit der visionären, fantastischen und religiös-fanatischen Vorstellung eines Einzelkämpfers. Ein Buch, das Mut macht, Mut aufzustehen und den ganz persönlichen Traum zu verwirklichen.


Zum Autor:

Peter Meier-Hüsing, geboren 1958, studierte Religionswissenschaften und arbeitet seit 15 Jahren mit Leidenschaft als Reporter, Autor und Redakteur für Radio Bremen und verschiedene Zeitschriften. Der begeisterte Bergsteiger, Kletterer, Skifahrer und Fotograf lebt mit seiner Familie bei Bremen.