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Ralston: Im Canyon

Aron Ralston

Im Canyon

Fünf Tage und Nächte bis zur schwierigsten Entscheidung meines Lebens

2005, Ullstein, ISBN 3-550-07620-7, 380 Seiten

Klappentext:

Es sollte ein normaler Tagesausflug werden - ein wenig Rad fahren, tüchtig wandern, ein Bisschen klettern. Doch plötzlich fand sich Aron Ralston, ehemaliger Ingenieur, nun Kletterer, Fotograf und Wanderführer, in der Falle: eingeklemmt zwischen einem halbtonnenschweren Felsblock und einer Felswand. Ohne Hoffnung auf Hilfe, weil niemand wusste, wo er war. Nach fünfeinhalb Tagen ohne ein Signal der Hoffnung, mit wenig Wasser, noch weniger Essen, brütender Hitze und klirrender Kälte, stand Ralston vor der schrecklichen Entscheidung: Er kann nur überleben, wenn er sich selbst den eingeklemmten Arm amputiert. Das Unvorstellbare gelingt. Er kann sich noch eine 17 Meter hohe Felswand abseilen und mehrere Kilometer laufen, bis ihn die Rettungsteams finden. Selten zuvor hat ein junger Mensch so eindringlich den Zustand zwischen Leben und Tod beschrieben: so ehrlich, so erschütternd, so humorvoll, so mutmachend. Dieses Buch ist schon jetzt ein Klassiker der Survival-Literatur.


Kommentar:

Nerven aufreibender Survival-Thriller und Lehrbuch

Vorweg die Warnung des Rezensenten: Das Buch fordert vom Leser stärkste Magennerven, durchfährt er doch eine höchst intensive, Schwindel erregende Hochschaubahn der Gefühle: Hoffnung und Aufgabe, Aufbegehren und Mutlosigkeit, Verzweiflung und Glaube, nur einige der Loopings, die Aron Ralston in diesen mitreißenden Survival-Thriller eingebaut hat.
Was ein simpler Tagestrip hatte werden sollen, mündet bei Aron Ralston in blankem Horror. Der versierte Kletterer ist im Blue John Canyon im Osten Utahs in einer engen Felsspalte unterwegs, als ein zentnerschwerer Felsbrocken herabfällt und seinen rechten Unterarm einklemmt. Ohne Handy, mit marginalen Wasservorräten und einer zerschmetterten, allmählich abfaulenden Hand, beginnt ein fürchterlicher Überlebenskampf. Er friert, hungert, trinkt seinen eigenen Urin, verliert 18 Kilogramm Körpergewicht, halluziniert und nimmt auf seiner digitalen Videokamera Abschiedsbotschaften an Freunde und Familie auf. Auch Schlafen ist unmöglich, da er abwechselnd nur stehen und hocken kann. Die fürchterlichen Bilder, von denen einige im Buch auch gezeigt werden, und verzweifelten Worte, festgehalten mit der eigenen Videokamera, dokumentieren auf einzigartige Weise den Überlebenskampf eines Menschen. Nach mehr als fünf Tagen unsäglicher Qual und den Tod vor Augen trifft er schließlich die schwerste Entscheidung seines Lebens: Mit einem simplen Camping-Taschenmesser amputiert er sich den eigenen Unterarm. Zurück blieben ein Arm - und die Geschichte einer unglaublichen Willensleistung.
Trotz oft aufkommender Panik, blieb er relativ klar und war sich auch zu jedem Zeitpunkt der Konsequenzen bewusst. "So unwirklich es aussieht, wie mein Arm im Sandstein wie in einen Handschuh verschwindet, so großartig fühle ich mich, daß ich endlich herausgefunden habe, wie ich ihn amputieren kann", schreibt er.
Endlich ist er frei, aber noch nicht gerettet ...

Arons Bericht aus der klaustrophobischen Felsenkammer ist dermaßen zwingend, dass die zwischen die einzelnen Tage eingeschobenen Kapitel über sein bisheriges Leben manchem zur störenden Marginalie, manchem wieder zu erholsamen Atempausen werden. In diesen durchaus ebenfalls spannenden Zwischenkapiteln beschreibt er noch weitere Abenteuer mit Bären, gefährlichen Wildwasser-Fahrten sowie - leider nicht ohne die so typisch amerikanische Selbstüberzeugtheit - Grenzerlebnisse in Eis und Schnee, etwa als er zusammen mit einem Kameraden von einer Lawine begraben wird. Aber er beschreibt auch seine lebenslange Faszination für die unberührte Wildnis.

Das Buch ist auch Lebensschule. Ralstons Überleben ist zum einen sicher seiner mentalen und körperlichen Robustheit zu verdanken, die er sich von seinen Extremtouren auf die 4000er Colorados geholt hat. (Bergsteigen macht stark!) Andererseits seinem eisernen Überlebenswillen und dem Verständnis des Lebens als kostbarstes Gut, das unter keinen Umständen weggeworfen werden darf. Und auch das Leben mit Handicap ist für Ralston nicht weniger erfüllend und kostbar als vor dem Unfall. "Nach allem, was passiert ist, und all den Möglichkeiten, die mir noch offen stehen, fühle ich mich gesegnet. Ich war Teil eines Wunders, an dem eine Menge Menschen Anteil haben. Um nichts in der Welt würde ich das wieder hergeben, nicht einmal für meine rechte Hand", schreibt er in seinem Buch. Im März dieses Jahres hat er auch sein mehrjähriges, ehrgeiziges Projekt erfolgreich abgeschlossen: Alle 59 Viertausender-Gipfel in Colorado im Winter und im Alleingang - mit Armprothese - zu besteigen. Was reizt Ralston, immer wieder an seine Grenzen zu gehen? "Ich bin kein Adrenalin-Junkie, bin nicht süchtig nach Risiken. Ich genieße das Abenteuer. Und das besteht auch darin, vorher nicht zu wissen, was passieren wird und dann herauszufinden, ob man die Fähigkeiten hat, damit fertigzuwerden. Ich fordere die Gefahren nicht heraus, sondern wäge sie ab. Durch das Risiko fühle ich mich lebendig."

Ein Survival-Thriller, der Krakauers "In eisige Höhen" als Nummer 1 der Bestsellerlisten folgen wird.


Zum Autor:

Aron Ralston kam mit 12 Jahren nach Colorado, wo er zum begeisterten Outdoor-Abenteurer wurde. Eine Karriere als Ingenieur gab er 2002 auf, um sich noch mehr seinen Touren über Berge und durch Schluchten zu widmen. Nach seinem Unfall hat er schon wieder etliche der höchsten Berge Amerikas erstiegen.