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In 40 Tagen quer durch Österreich

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Tag 18–20: St. Johann/Tirol – Pillerseetal – Dienten/Hochkönig
Vom Kaiser- ins Hochkönig-Reich

Kaiser-Hochkönig

3-Tages-Winterwanderung, Februar 2012; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Wenn Lawinenwarnstufe 4 herrscht und meterhoch Schnee liegt, muss der Gehsüchtige am Talgrund bleiben – was kein Schad' ist, da man hier dem Himmel genauso nah ist wie oben. Der Weg vom Reich des Kaisers in das des Hochkönigs muss im Winter allerdings erst gefunden werden, dann aber hält er einige Überraschungen bereit.

Tag 18: St. Johann – Mühlbach – Enterpfarr – Fieberbrunn – Buchau – Pfaffenschwendt

Lawinenwarnstufe 4! Ein Hustenanfall und aller Schnee der Welt begräbt dich unter sich. Über allem eine 2 bis 3 Meter hohe weiße Decke, die alle Ecken und Kanten abrundet und der Landschaft so das Aussehen einer sanft gewellten, weißen Wüste verleiht. Ich mittendrin in St. Johann mit meinen Schneeschuhen, naiv annehmend, dass ich damit den Schneemassen gewachsen wäre und meine Wege dorthin lenken könne, wohin ich will. Nichts da. Der Winter hat hier das Sagen, sonst niemand.
Mein Ziel: Hochfilzen, wie auch immer, bestenfalls auf der Straße, nur leider nicht über den Kalkstein, an sich reines Almgelände, aber bei Lawinenwarnstufe 4 können sich selbst niedliche Hänge als gefährliche Fallen erweisen, also lasse ich doch lieber meine Finger, oder besser: Beine davon und marschiere durch den Talgrund, diesmal durch das Pillerseetal. Kein Fehler, kein Schad, es zahlt sich aus! Außerdem: Ist der Himmel denn oben am Berg blauer und die Landschaft auf der Alm weißer als unten im Tal? Keineswegs! Meine Devise: Besser ohne Risiko und Anspannung schöne Tallandschaft gehnießen, als sich durch meterhohen, lawinengefährlichen Schnee wühlen.

Aufbruch

In St. Johann also aus dem Zug gestiegen und geradewegs gen Norden durch die quirrlige Stadt marschiert, bis wir nach der Brücke rechts abbiegen und schon – man staune! – auf einem Winterwanderweg landen, der ohne jede Steigung entlang Marterlder Fieberbrunner Ache durch offene Feldlandschaft führt. Ein sicherer, schöner, ausgezeichnet präparierter Winterwanderweg, den im Sommer auch gerne Jakobsjünger benützen, extra für mich angelegt ;-). Hinter mir der Kaiser, vor mir die Hörner und Hörndln der Leoganger Steinberge, links der Kalkstein, rechts die ruhig dahinfließende Ache – was will man mehr! Ringsum frisch und tief verschneite Landschaft, alles Graue, Hässliche, Kantige unter einer meterhohen Schneedecke verborgen, so zieht sich die weiße Wüste mit seinen Dünen und Wellen bis weit zur Pforte der Steinberge, wo ich heute landen möchte.
Der Wanderweg hat ein Ende, als er in eine geräumte Zufahrtsstraße nach Reitham übergeht (1 St.). Ab nun auf einer geräumten, stellenweise aber eisigen  Seitenstraße gen Fieberbrunn. Ein Radfahrer mutet in der Eis- und Schneewüste etwas seltsam an. Seltsam auch, dass es in den kleinen Bauernweilern, die wir durchschreiten, genauso riecht wie im Sommer, nämlich nach frischem Dung, faulen Äpfeln, Kühen – nach dem Bouquet des Landes also. Kaum Menschen aber, alles verharrt noch im Winterschlaf, eine ältere Dame begrüßt mich mitten am Nachmittag gar mit "Guten Morgen".
Fieberbrunn (2 St.) ist ein aufgewecktes Wintersportzentrum, wo sich Skifahrer, Langläufer, Urlauber und geduldige Einheimische ein munteres Stelldichein geben. Auf manchen Balkonen sitzen Sonnenanbeter, wärmen sich auf für die nächste Frostperiode. Wir durchlaufen die Stadt bis zum sog. Schlossberg (Edelsitz Neu-Rosenegg). Von dort weiter "oben drüber" auf der "Sonnseite" und den Bahngleisen entlang durch Schönau und AbendPertrach. Gegenüber, auf der "Schattseite" des Tales liegt hingegen schon alles im Dämmerdunkel, während hier die Sonne noch fröhliche Urständ' feiert. Bis zum letzten Abendzug begleiten uns ihre bunten, grellen Farben und wärmen uns ihre milden Strahlen. Immer näher rücken nun die Hörner der Leoganger Berge wie das Birnhorn und das Kuchelhorn. Nach Buchau betreten wir auf unserem Winterzauberweg erstmals an diesem Tag auch Wald. Einzelne Vögel zwitschern, als wollten sie den Frühling herbeisingen. Mein Schatten wird immer länger, wie selten genieße ich verschatteter Stadtmensch diesen Abend, marschiere glücklich dahin, als wäre ich erst heute geboren. Nach 6 Stunden erreiche ich Pfaffenschwendt vor Hochfilzen, wo ich Schluss mache für heute, muss ich doch noch per Bus nach St. Jakob in Haus, wo ich das einzige noch verfügbare Quartier in einem Bauernhaus gefunden habe (Semesterferien!).

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Schild Idylle Schnee Landschaft Abendstimmung
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Tag 19: Pfaffenschwendt – Hochfilzen – Grießen Pass – Berg Grießen – Hütten – Leogang – Saalfelden

Nicht der lustigste Tag meiner Tour, da es von Am WegAnfang an schneit und bis abends nicht aufhört. Aber was soll’s – bekanntermaßen gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Ausrüstung, eh klar, wissen wir. Hilft aber nichts gegen die getrübte Stimmung.
In Pfaffenschwendt peile ich den Gasthof Kapelln an, wo der geräumte Winterwanderweg nach Hochfilzen beginnt. Ohne Schneeschuhe wandere ich den Gleisen nach, bin fast allein auf weiter Flur, hin und wieder nur begegnen mir unverdrossene Langläufer. Kurz nach der Seilbahnstation Pillersee in Hochfilzen verlassen wir Tirol und betreten Salzburg! Unspektakulär folgen wir der Langlaufloipe über den Grießen Pass bis zum Tödlingwirt, wechseln hier auf die andere Straßenseite und marschieren auf Nebenstraßen um ein Bergbaugebiet herum. Das nun folgende Gasselgewirr ist eine Herausforderung selbst für Pfadfinder. Motto: Try & Error – neben viel Try ist noch mehr Error dabei, wurscht, wen kratzt's bei dem Wetter? Auch so kann man einen Landstrich kennenlernen.

Winterwanderweg

Meterhohe Schneewände verhindern Abkürzungen, im Sommer wäre alles viel einfacher, so aber gibt allein der Schneeräumdienst den Weg vor. Am Achenweg (danke dem, der hier geschaufelt hat!) gemütlich entlang der Leoganger Ache bis nach Hütten, wo wir beim Hüttwirt eine Pause inklusive Suppe und Kaffee einlegen, das tut gut. Gleich danach die Knappenkapelle St. Anna, die an die Bergbaugeschichte Leogangs im Pinzgau erinnert. Sie weist mit dem "Bergaltar" eine Besonderheit auf, die europaweit nur mehr in drei Exemplaren in ähnlicher Form existiert (mehr Infos siehe unten).
Nun etwas turbulenter durch die Sportarena Leogang, wo ich mich mit meinen Schneeschuhen als deplatzierter, etwas verrückt angehauchter Don Quixote fühle. Haben wir die letzte Liftstation passiert, geht’s gleich wieder ruhig am Achenweg weiter, die wahre Welt Don Quixotes. GeocacheNach 5.5 Stunden erreiche ich Leogang, wo an manchen Fenstern noch der Weihnachtsmann hängt, als wäre er zu spät gekommen oder hätte man ihn darob ausgesperrt.
Auch die letzten Kilometer bleiben wir am Achenweg, später am Arnoweg, der uns bis ins Zentrum von Saalfelden (2 Stunden) führt. Saalfelden kenne ich übrigens nur bei Schlechtwetter. Fünf Mal war ich hier, fünf Mal Nebel, Schneefall, Regen, dafür aber gibt es hier einen sog. "Cache-Wald", also einen Wald voller Dosen – Wahnsinn! (Im Winter allerdings sind die meisten nicht zu heben.) Übenachtung im Gasthof Liendlwirt im Zentrum von Saalfelden neben dem Rathaus, wo ich in einer winzigen Dach-Koje das letzte Bett zwischen hier und Wien ergattert habe.

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Hochfilzen Sch...Wetter Schnee, Schnee, Schnee Weihnachtsmann Salzburg
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Tag 20: Saalfelden – Ramseiden – Maria Alm – Natrun – Jufenalm – Hinterthal – Filzensattel – Pureck Alm – Dienten am Hochkönig

Faschingsmontag! Alle sind lei-lei-lustig drauf, auch die Sonne :-)
Wo ich heute landen bzw. wie weit ich kommen werde, ist ungewiss – noch immer liegen Mengen von Schnee abseits der geräumten Wege und Straßen, noch immer herrscht höchste Lawinengefahr, noch immer bleibt mir bloß der tiefste Talgrund – so vermeinte ich jedenfalls. Es sollte anders kommen.
Auf der Landstraße zum Ortsteil Ramseiden im Osten von Saalfelden. In der stillen, angesichts vieler Kapellchen wohl sehr frommen Ortschaft schneit es noch leicht. Weiter nach Oedt. Es gibt etliche Orte, die so heißen, und jedesmal frage ich mich, wer wohl in einem Ort namens Öd oder Oedt wohnen möchte, muss ja öd sein! Die Touristiker und Werbetexter jedenfalls müssen mit seinem Namen hoffnungslos überfordert sein. Ich gebe Gas heute – zuviel Gas!, das merke ich am Beschlagen der Brillen, also muss ich mich verlangsamen, lernen, mit aller Gelassenheit anzunehmen, was da auf mich zukommt. Die Zeit ist das alles Unwichtigste, ihr kann ich nicht zuvorkommen!
Der geräumte Arnoweg führt meist durch Wald und am Waldrand schön nach Maria Alm (1 Stunde), wo sich die Sonne gerade anschickt, die Wolkendecke wegzuschmelzen. Annehmend, dass mir nun ein endloser Straßenhatscher bis nach Dienten Am Wegbevorsteht, erfahre ich in der Information, dass es einen Winterwanderweg hinauf zum Natrun und weiter über die Jufenalm bis nach Hinterthal gibt. Volltreffer! Zunächst auf einer wenig befahrenen Straße zur Natrun-Jausenstation am Rande der Piste hoch (40 min). Auf dem Weg hat sich die Sonne nun endgültig den Weg durch die Wolken gekämpft, es tut gut, nach einem trüben Tag wieder von meinem Schatten begleitet zu werden.
Vom Natrun öffnet sich auch ein hübscher Blick über die Kitzbühler Alpen bis hin zum Hochkönig, und auch ich selbst bin Objekt erstaunter Blicke. Bei der Jausenstation nämlich schauen mir, dem Trapper auf der Skipiste, fassungslos zwei Mädchen nach, als sei ich ein Außerirdischer. Hinter der Bergstation des Natrun-Liftes beginnt dann tatsächlich mein Universum: Der Weg durch Wald und über Lichtungen zur Jufen-Alm. Ein Traum! Ich montiere meine Schneeschuhe und watschle mit genießerem Gefühl an ein paar letzten Häsuern vorbei zuerst über die baumfreie Grammleralm. Hei, da schwingt die Seele mit jedem Schritt mit, da wird mir leicht ums Herz, da durchdringt mich eine Art Glücksgefühl und die Gewissheit, wieder einmal einen Ewigkeits-Tag zu erleben. Der traumhaft angelegte und gepflegte Weg macht einfach nur Spaß, eröffnet Traumblicke über die Dientner Berge und bis zum Hochkönig.

Rodeln

Viel zu schnell sind wir bei der lieblich gelegenen Grammleralm (Jausenstation), noch schneller nach Jufenalmunanstrengendem Auf und Ab über Lichtungen und durch Wald bei der Jufen-Alm, ebenfalls mit Einkehrmöglichkeit und Wetterherrnkapelle sowie Rodelabfahrt. Ich möchte noch nicht weg hier, möchte endlos weiterwandern durch dieses kleine Paradies über den Wolken.
Ein letztes Mal ein wenig hoch, ehe es hinunter nach Bichl und über Pirnbach nach Hinterthal am Eingang des Hochkönig-Reiches geht. Pause. Gulaschsuppe. Mangels Alternativen und meterhoher Schneewände auf der Straße bis zum Filzen Sattel, und von dort auf Entenpatschen zur Pureck Alm (1310 m). Am Rande der Pisten lasse ich mich ins weit unter uns gelegene Dienten am Hochkönig hinab. Geschafft, das Plansoll ist erreicht. Welch ein Tag, welch ein Erlebnis!

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Natrun Panorama Jufen Filzensattel Abstieg
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Lexikon: Der Bergaltar der Knappenkapelle von Hütten

Die Basis des Bergaltars besteht aus einer Bergbau- und Hüttenlandschaft. Im Hintergrund links ist ein Stollenmundloch zu sehen, aus dem ein Knappe einen Hunt herausschiebt. Darüber befinden sich Heiligendarstellungen, unter denen die Abbildung der Immaculata[1], auf der Weltkugel sitzend, den zentralen Platz einnimmt. Rechts von ihr befindet sich ebenfalls in sitzender Position die Hl. Anna, links die Hl. Barbara mit Kelch, Schwert und Turm. Unterhalb der Hl. Anna sind die Heiligen Johannes Nepomuk und Sebastian abgebildet. Unterhalb der Immaculata sitzt der Hl. Daniel auf einer Wolke, in der linken Hand die Werkzeuge der Knappen - Schlägel und Eisen - haltend, in der rechten hält er eine Erzstufe. Unterhalb der Hl. Barbara befindet sich der Hl. Florian, der sich mit der linken Hand auf eine rot-weiß-rote Fahne stützt und mit seiner rechten Wasser auf ein unterhalb von ihm befindliches, teilweise brennendes Holzhaus gießt.
Quelle: salzburg.com

Saalfelden

Saalfelden am Steinernen Meer ist eine Stadt im österreichischen Bundesland Salzburg und ist der Zentralort des Pinzgauer Saalachtals. Die Gemeinde liegt rund 14 km nördlich der Bezirkshauptstadt Zell am See. Mit 15.954 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2011) ist Saalfelden die bevölkerungsreichste Stadt des Bezirks Zell am See.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Dienten

Dienten wurde erstmals 963 genannt. Im Gebiet von Dienten gab es ab dem Mittelalter ein Eisenbergwerk, das erst 1864 aufgelassen wurde.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)


Ausgangspunkt:
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Route Tag 1:
St. Johann – Mühlbach – Enterpfarr – Fieberbrunn – Buchau – Pfaffenschwendt
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up 450 Pfeil down 300
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 5
Schwierigkeiten/Lawinen:
Keine
Route Tag 2:
Ellmau – Schwendt – Goinger Badesee – Hinterkaiser – St. Johann in Tirol
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 600
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 7,5
Schwierigkeiten/Lawinen:
Keine
Route Tag 3:
Saalfelden – Ramseiden – Maria Alm – Natrun (1150 m) – Jufenalm – Hinterthal – Filzensattel (1255 m) – Pureck Alm – Dienten am Hochkönig
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up 940 Pfeil down 650
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 6
Schwierigkeiten/Lawinen:
Keine
Ausrüstung:
Karte:
freytag & berndt WK 101 "Leoganger Steinberge" und 103 "Pongau, Hochkönig, Saalfelden"
Geocaches:
Der Cache-Wald in Saalfelden mit Dutzenden Dosen ist ein Paradies für Geocacher! Die meisten Dosen überwintern jedoch tief unterm Schnee.

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