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In 40 Tagen quer durch Österreich

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Tag 25: Pruggern – Gröbming – Bad Mitterndorf
Um den Grimming

Titel

Wanderung, Juni 2012; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Immer den mächtigen Grimming, den "Mons Styriae altissimus", vor Augen, geht es von Pruggern über Gröbming, dann entlang des Salza-Stausees bis Bad Mitterndorf. Alles wäre so schön gewesen, wäre ich Mitte des Weges nicht zwei Wegelagerern in die Hände gelaufen ...

Die Route

Mitte Juni, der 25. Tag meiner Reise zur Mitte des Lebens, und zugleich die Mitte des Weges. Mein Rucksack wiegt diesmal nicht schwer, vom einstigen Monster blieb ein leichtes "Monsterchen". Von den vergangenen Touren gelernt und nur das Notwendigste dabei, zudem auch auf das Gewicht des Rucksacks selbst geschaut und etwa 2 Kilo erspart. Zeit wird’s.
Es riecht nach frisch gemähtem Heu, nach Sommer, nach Bergurlaub, als ich in Pruggern aus dem Zug steige, den Rucksack schultere und losziehe. Trotz dem die schwüle Hitze anstrengt, finde ich schnell meinen Rhythmus und weiß mein Marschtempo gut zu dosieren. Stellenweise schlecht markiert schlängelt sich der anfangs um den Stöcklberg herum durch dschungelartiges Gelände. Der dichte Wald raubt mir die Luft, und ich beneide die Frösche, die sich da in kleinen Lacken genüsslich tun. Irgendwo in Wipfeln sitzt mein treuer, guter Freund und Begleiter, der Kuckuck, und grüßt mich mit seinem leisen Gesang. Am Weg Nr. 13, dem "Höhenweg Gröbming", öffnet sich dann ein Postkarten-Panorama auf Gröbming und den die Stadt bewachenden Grimming. Der imposante, formschöne Berg hat mit einer Seehöhe von 2.351 Metern auch als höchster freistehender Berg Europas große Bekanntheit erlangt. Nachhaltig prägt sich mit seinen nach allen Seiten hin steil abfallenden Flanken ins Gedächtnis ein, ob man will oder nicht. Imposant und einzelgängerisch erhebt er sich aus der Talsohle, zuerst in sanften Wiesenmatten hinauf zu einem breiten Gürtel aus Laub- und Nadelwäldern, um dann jäh und steil mit seinen Schuttfluren und Felswänden emporzustreben. Er steht allein, daher wirkt er, von welcher Seite aus man ihn betrachtet, als ungewöhnlich hoher Berg – weshalb man ihn in früheren Zeiten als "Mons Styriae altissimus", als den "Höchsten der Steiermark" bezeichnet hat. Der schönste und imposanteste Berg ist er auf jeden Fall.

Gröbming-Grimming

Mitten aus der Ebene der Felder steigt ein ungeheurer Hügel empor, auf allen Seiten frei stehend, dessen Gipfel eine Burg trägt, die durch die Natur des Platzes befestigt und zu königlicher Großartigkeit erhoben ist. (Enea Silvio Piccolomini, Papst Pius II.)

In weiten Schritten werde ich unseren Grimming heute fast vollends umkreisen – auch ein Erlebnis, nachdem ich einmal schon auf seinem Gipfel stand. Der 13er-Weg führt mich über Wiesen und Aussichtsplätze schnell nach Gröbming hinunter, wo mich die Mittagsglocken der Pfarrkirche begrüßen. In der Kühle der Kirche erhole ich mich kurz, ehe ich teils an alten Häusern, teils an hübsch gepflegten Gärten vorbei der Landstraße zustrebe. Links ragen die Zweitausender Kamm- und Mitterspitze auf, vor mir winkt mich schön der Grimming zu sich. Ich gehorche und nähere mich ihm mehr staunend über Wiesen an. In Oberlengdorf strebe ich Prenten zu, um dort zur Talsperre des Salza-Stausees zu gelangen. Beindruckend die hohen steilen Felswände, aus denen kleine Wasserfälle schießen. Neben der Salza-Talsperre führt ein Tunnel weiter, danach aber … Endstation? Ein Schranken und ein Schild "Betreten verboten" verwehrtDie zwei mir den Zugang. Alles retour oder was? Ein Tag und viele Stunden für nichts? Neben dem Schranken eine Bank, auf der ein altes Ehepaar sitzt. Ob man hier tatsächlich nicht weitergehen dürfe, frage ich die beiden. Darauf der weißhaarige Opa mit unbarmherzigem Beamtenernst: "Wenn du 100 Euro zahlst, darfst du weiter." Betretende Stille, dann lauthalses Gelächter, als mir und der Frau der Witz klar wird. Rügend, aber liebevoll pufft sie ihm in die Rippen; dass er gefälligst solche Scherze unterlassen solle, mahnt sie ihn ... Was folgt, ist ein langes Gespräch. Dass sie schon 53 Jahre verheiratet seien und nie eine Krise gehabt hätten. Gefragt nach ihrem Geheimnis, flüstert er mir zu: "Weil uns ein nicht alltäglicher Lebensweg verbunden hätte. So sind wir bis heute ineinander verliebt, haben vier Kinder und verbringen unsere Zeit mit spannender Wegelagerei und Piraterie" (lachen beide). Am Ende verrät mir der alte Herr noch, wie er seine Kinder immer segnen würde und wie nun auch mich segnen wolle:

"Noctem quietam et finem perfectum concedat nobis Dominus omnipotens. Amen.
(Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende gewähre uns der allmächtige Herr, Amen)

SeeIrgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Gespräch etwas in mir bewegt hat. Immer wieder habe ich bemerkt, dass mir als Wanderndem nicht nur das Land offen steht, sondern auch die Menschen. Sie reden ungezwungen mit mir und ich mit ihnen. Am Ende nehme ich immer wieder ein wenig von ihrer Last mit oder darf etwas von meiner eigenen Last abladen.

Ich schultere mein Monster, verabschiede mich dankbar und marschiere jenen Radfahrern und Joggern nach, die während des Gesprächs in die "verbotene" Zone eingedrungen waren. Vollkommen gefahrlos marschiere ich nun auf der Forststraße entlang des Salza-Stausees. Schön alle Grünschattierungen des Sees, die Spiegelungen, die steilen Wände, die fjord-ähnlichen Ufer. An manchen Stellen flimmert das Wasser, während es anderswo spiegelglatt verharrt. Der Weg allerdings zieht sich gewaltig über beachtliche fünf Kilomter, so lang ist der See nämlich. Fast 1,5 Stunden latsche ich von einem Ende des Sees zum anderen. Als ich am Ende durch das Naturschutzgebiet Salzamündung marschiere, ragt vor mir schon die Tauplitzalm, mein morgiges Ziel, vor mir hoch. Und noch eine Besonderheit: Kurz vor Bad Mitterdorf stehen immer wieder Skulpturen des Bildhauers Ferdinand Böhme am Weg, darunter Säulen, Körper, Büsten und ein Phallus mitten in einer Wiese.

KunstKunstKunst

Mein Zelt schlage ich in Bad Mitterndorf am Campingplatz Grimmingblick auf, gegessen wird fürstlich auf der Eselalm nur ein paar Gehminuten weiter weg. Ein würdiger 25. Tag meiner Tour durch Österreich.

Weitere Bilder

Frösche Kirche Brunnen See Zeltplatz
Vergrößern durch Klick auf Bilder

Lexikon: Grimming

Nur wenige Berggestalten unserer Alpen prägen sich so tief in die Erinnerung des Menschen ein wie der Grimming. Mächtig erhebt er sich aus der Talsohle, zuerst in sanften Matten hinauf zu einem breiten Saum von Laub- und Nadelwäldern, um dann jäh und steil mit seinen Schuttfluren und Felswänden emporzustreben. Er steht allein, daher wirkt er, von welcher Seite aus man ihn betrachtet, als ungewöhnlich hoher Berg – ein Eindruck, der in der mittelalterlichen Bezeichnung „Mons Styriae altissimus“ seinen frühen Niederschlag findet.
GrimmingDie Faszination und Kraft der Berge auf den Menschen erklärt sich allein schon durch ihre optische Präsenz, weil sie durch ihre Höhe Himmel und Erde scheinbar verbinden. Der Grimming dominiert die Landschaft des mittleren Ennstales und des Hinterbergtales. Er zählt zu den höchsten freistehenden Bergen in Europa.
Es sind die unterschiedlichsten Beweggründe, die zur Auseinandersetzung mit den Bergen anregen. Von beeindruckender monolithischer Gestalt wie der Grimming, sind sie weltweit immer wieder zum Sitz der Gottheiten erhoben und als heilig oder unberührbar verehrt worden. Die spirituelle Wahrnehmung versteht sie als Kraftplätze, die weit in ihr Umland ausstrahlen.
Quelle: meingrimming.at (Hier auch viele andere Infos, Bilder und Geschichte(n))

Die erste Besteigung erfolgte vermutlich im späten 17. Jahrhundert an der Klachauerseite und wahrscheinlich von Einheimischen. Es besteht auch die Vermutung, dass es Gamsjäger waren, die den Grimming von verschiedenen Seiten erstbestiegen haben.
Im Zuge einer Katastralvermessung erstieg im Jahre 1822 Oberleutnant Baron Simbschen den Grimming und errichtete eine vierseitige hölzerne Pyramide mit Steinsockel als Vermessungszeichen, sowie etwa 100 Schritte unterhalb eine kleine Unterstandshütte aus Stein. Sie diente Simbschen als Unterkunftsstätte während seiner Vermessungsarbeit.
Quelle: mount-grimming.com (hier auch zahlreiche Bilder, Touren und viele weitere Infos

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
Pruggern – Gröbming – Oberlengdorf – Salza-Stausee – Bad Mitterndorf (Camping Grimmingblick)
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up 455 pfeil down 350
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 6
Schwierigkeiten:
Keinerlei Schwierigkeiten
Eignung für Kinder:
In Teilabschnitten geeignet
Eignung für Hund & Katz':
geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Gröbming
Karte:
Freytag & berndt WK 082 Bad Aussee, Totes Gebirge Badmitterndorf – Tauplitz
Geocaches:
Bad Mitterndorf, Maria Himmelfahrt, Erdrutsch

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