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Mountainbiken rund um Wien

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In 40 Tagen quer durch Österreich

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Tag 34–35: Im Mostviertler Wanderhimmel
Übers Dirndltal

Über Rabenstein

2-Tages-Wanderung, August 2012; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Reizvoll das Wechselspiel zwischen stiller Naturlandschaft und bäuerlich-dörflicher Lebenskultur, reizvoll die Helligkeit, die Offenheit und Weite des Mostviertels. Wer die liebliche Dirndlwelt zwischen Scheibbs, Kirchberg und Wilhelmsburg erwandert, spürt die Leichtigkeit des Seins ...

Tag 1: Scheibbs – Rainstein (758 m) – Grüntalkogel (885 m) – Schwabeckkreuz – Bichlberg – Schwerbachgegend – Kirchberg/Pielach

Auf geht's in Scheibbs im Zentrum des Ötscherlands, von wo wir dem Weitwanderweg 04 Richtung Blassenstein folgen, diesen umkreisen und uns dabei gleichzeitig ins Hochparterre des Mostviertels schrauben, das wir bis zum Abend nicht mehr verlassen werden. Nach einem letzten Blick über Scheibbs tauchen wir in Wald ein und kommen an einem Brunnen vorbei. Was ich auf meiner Österreich-Wanderung gelernt habe: Wo immer sich die Möglichkeit eröffnet, die Trinkflasche bis zum Rand aufzufüllen, nehme ich sie wahr, man weiß ja nie, vor allem in den an sich trockenen Höhen des Mostviertels, wann es wieder zu trinken gibt. Auf einer Lichtung dann ein nicht alltägliches Erlebnis: Vor mir auf einer frisch gemähten Wiese zwei Rehböcke, die so sehr in einen mehr spielerischen als ernsten Revierkampf vertieft sind, dass sie nichts von meiner Anwesenheit merken.

Rehböcke

Schritt für Schritt, langsam und leise nähere ich mich ihnen, nestle nach meiner Kamera – klick, klick ... Der Wind muss ihnen meine Anwesenheit verraten haben, denn plötzlich werden sie stutzig, halten inne, blicken mich an, stieben auseinander und flüchten zornig bellend in den Wald. Dieses kleine, aber feine Erlebnis kurz vor dem Rainstein macht mir bewusst, wie nah hier ursprüngliche Natur und penibel gepflegte Kulturlandschaft beeinander liegen. Ja, die Mostviertler wissen mit ihrer Landschaft umzugehen: Einerseits entnehmen sie ihr das Köstlichste (wie eben die sog. Dirndln, Infos dazu siehe unten), was sie geben kann, andererseits lassen sie der Natur ihren Lauf. Das eben erlebte Resultat: ein harmonisches Nebeneinander, wo junge Rehböcke ebenso ihren Platz haben wie Bauern und ich.
Weiter zum nächsten Revierzeichen, dem sog. "Rainstein". Der dreiseitige, mit – so sagt man – mystischen Kräften versehene Sandstein markiert seit jeher die Grenze zwischen den Ländereien der Kartause Gaming, der Burg Plankenstein und der Weißenburg. Na gut – auch Geschichte darf im Mostviertel ihren Am BichlbergPlatz haben. In Begleitung des Ötschers wandern wir zwischen Wiese und Wald dahin, bemerken die vielen Zyklamen, die den Weg zäumen, und ihren Duft, den kein Parfum nachzuahmen vermag. Flockig leicht promenieren wir über eine wunderschöne Hochalm. Beim Habetzbergmarterl folgen wir Weg 652 über den Walzberg zum Grüntalkogel mit der gleichnamigen Hütte, die wir allerdings verschlossen vorfinden. Bis auf einen bergan keuchenden Läufer bin ich alleine. Der Läufer allerdings kennt sich aus und erzählt mir, dass er seinen "Hausberg" heuer 100 Mal erlaufen möchte, und dass der Name der Jägerlacke, an der ich beim Abstieg vorbeikommen würde, davon herrühre, dass einst besoffene Jäger in ihn hineingestolpert und fast ertrunken seien. Eh klar, die lieben Jäger sind überall gleich :-)
Letzte Bergwertung des langen Tages: Am monumentalen Schwabeckkreuz vorbei und über den sog. Yeti-Steig zum Bichlberg (Weg 651) hinauf, wo uns eine schöne Aussicht auf Peilstein, Jauerling, Tonion, Ötscher, Hohenstein etc. erwartet. Nun etwas wilder hinunter nach Schwerbach und hier der Pielach nach Richtung Kirchberg an der Pielach. Ein Traumtag, eine Traumlandschaft, ein Traumerlebnis.

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Rehbock Rainstein Äpfel Schwabeckkreuz Grüntalkogelhütte
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Tag 2: Kirchberg/Pielach – Kardinal König-Weg – Rabenstein – Kaiserkogelhütte – Meiselhöhe – Plambachecker Höhe – Wilhelmsburg

Dirndltal-extremDer Tag beginnt ernüchternd: Der Kardinal König-Pilgerweg führt flach und elendslangweilig entlang der Pielach mal durch Maisfelder, mal nah am Fluss, meist aber auf Beton dahin. Der Weg ist mehr für Radfahrer gedacht, weniger für Wanderer. Allein vor Rabenstein führt eine Forststraße kurz weg vom betonierten Tal hinauf zu, um dann wieder hinab nach Rabenstein abzufallen. Hier im ältesten Markt des Pielachtals und Geburtsort des legendären Kardinals König entschädigt mich ein nettes Erlebnis für alle Unbill: Hungrig nach einem zweiten Frühstück kehre ich in "Helga's Kaffeestube" ein und erlebe das wohl beste und lebendigste Kaffeehaus, das ich als Wiener (!) je kennengelernt habe. In der gemütlichen Mischung aus Feinkostladen und Jausenstation scheint sich hier die ganze Stadt zu treffen. Zwischen auseigenen Dirndl-Marmeladen und Likören herrscht ein munteres Kommen und Gehen, Erzählen und Lachen; Handwerker, Einkäufer, Müßiggänger, Wanderer geben sich ein fröhliches Stelldichein, sodass man am liebsten hierbleiben möchte. Den pulsierenden dörflichen Familientreff unterstreicht das Wort eines alten Mannes, der sich an meinen Tisch setzt und Schwänke aus seinem Leben erzählt: "Man lebt nur einmal"; deshalb genieße er jeden Tag in Dankbarkeit und kehre auch dementsprechend oft hier ein.

Über Rabenstein

Aufgemuntert von diesem Erlebnis durchquere ich die doch recht ansehnliche Stadt, schwenke nach seinem Ortsende nach rechts Richtung Deutschbach ab und ziehe durch die Deutschbachsiedlung und Taubenstein hoch. Den Kopf wenden nicht vergessen, denn unter uns liegt Rabenstein und um uns herum bis zum Horizont das sanftwellige Hügelland des MarterlMostviertels. Reizvoll das Wechselspiel zwischen stiller Naturlandschaft und bäuerlich-dörflicher Lebenskultur, reizvoll die Helligkeit, die Offenheit und Weite des Landes. Wahrlich: Wer hier wandert, lernt die Leichtigkeit des Seins kennen. Denn die Landschaft strahlt ein beruhigendes, sanftmütiges und liebliches Charisma aus, dem sich niemand zu entziehen vermag. Einkehrmöglichkeit bei der Kaiserkogelhütte (716 m) über den Dächern der Landeshauptstadt St. Pölten. Wir bleiben im Mostviertler Wanderhimmel, obwohl es hinunter zur Meiselhöhe und wieder hoch zur Plambachecker Höhe geht. Von hier wiederum bergab, wobei sich herrliche Ausblicke ins Traisental und über die ersten Voralpenberge ergeben. In Wilhelmsburg fühle ich mich nach 35 Etappen erstmals nahe am Ziel. Ich habe es bald geschafft ...

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Kapelle Kaiserkogelhütte Storch Wilhelmsburg Wilhelmsburg
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Lexikon: Die Dirndl

Die Dirndl oder "Kornelkirsche" oder "Gelber Hartriegel" gehört zur Kultur des Pielachtals wie der Wein zur Wachau oder die Elsbeere Dirndlzur Gegend um Wilhelmsburg. Im Pielachtal hat die Nutzung der Dirndln jahrhundertelange Tradition. Wenn man aufmerksam durchs Tal geht, sieht man oft sehr alte "Dirndlbäume". Die Pielachtaler Bauern und Bäuerinnen pflegen und erhalten sie seit vielen Generationen. Eine Dirndlstaude wird nicht gefällt, sie genießt hohe Wertschätzung. Im Frühjahr sind die kleinen, intensiv gelb gefärbten Blüten eine der ersten Nektarquellen für blütenbesuchende Insekten. Die länglich ovalen Früchte färben sich ab Mitte August je nach Sorte korallenrot bis fast schwarz. Sie sind reich an Vitamin C und schmecken saftig-säuerlich. Der wahre Genuss sind aber nicht die frischen Früchte. Nein, es ist der Dirndlbrand, der zu einem wahren – und vielfach prämierten –  Markenzeichen für das Dirndltal wurde. (Bild: mit freundlicher Genehmigung von NÖ-Tourismus – www.niederoesterreich.at)
Quelle:
Mehr zum Dirndstrauch auf Wikipedia >>>

Die Pielach und das Pielachtal

Die Pielach ist ein Fluss im südwestlichen Niederösterreich, dem Mostviertel. Er fließt Richtung Norden in die Donau. Sie entspringt nördlich von Annaberg in einer Höhe von 976 m ü. A. und durchquert zuerst die niederösterreichischen Kalkalpen und führt westlich von Sankt Pölten in das Alpenvorland und mündet östlich von Melk in einer Höhe von etwa 200 m ü. A. in die Donau. Das Pielachtal ist eines der zentralen Flusstäler des Mostviertels und liegt eingebettet zwischen dem Traisental im Osten und dem Erlauftal im Westen. Ihr Einzugsgebiet beträgt etwa 950 km². Auf ihrem Weg vom Ursprung zur Mündung in die Donau legt die Pielach eine Strecke von knapp 70 km zurück.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Rabenstein

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rabenstein im Jahr 1136 im Zusammenhang mit Wilhelm von Ramingstein, der dem Geschlecht der Babenberger angehörte. Der unterhalb der Burg angelegte Ort spielte als Herrschaftssitz eine wichtige Rolle in der Besiedelung des Pielachtals im 12. Jahrhundert. Bereits 1280 scheint Rabenstein erstmals als "Markt" auf und ist damit der älteste Ort im Pielachtal. 1683 als die Türken einbrachen, wurde die Burg Rabenstein einen Monat hindurch belagert, doch konnte sie nicht eingenommen werden.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Wilhelmsburg

Wilhelmsburg befindet sich etwa zwölf Kilometer südlich des Stadtzentrums von St. Pölten. Die Stadtgemeinde wird von Süden nach Norden von der Traisen durchflossen. Das östliche Stadtgebiet gehört zu den Ausläufern des Wienerwaldes, das westliche Stadtgebiet zu den Ausläufern der Türnitzer Alpen. Beide Gebirgsgruppen werden von der Traisen getrennt. Die höchsten Erhebungen des Stadtgebietes sind die Stockerhöhe mit 734 m ü. A. im Süden und das Haberegg mit 693 m ü. A. im Südosten, der niedrigste Punkt befindet sich mit ca. 310 m ü. A. dort, wo im Stadtteil Reith die Traisen das Gemeindegebiet nach Norden verlässt.
Quelle: Wikipedia (mehr erfahren >>>)

Ausgangspunkt:
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Route Tag 1:
Scheibbs – Rainstein (758 m) – Grüntalkogel (885 m, Grüntalkogelhütte) – Schwabeckkreuz – Bichlberg – Schwerbachgegend – Kirchberg/Pielach
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 1040
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 8
Schwierigkeiten:
Keine
Route Tag 2:
Kirchberg/Pielach – Kardinal König-Weg – Rabenstein – Kaiserkogelhütte (716 m) – Meiselhöhe – Plambachecker Höhe – Wilhelmsburg
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up 540 Pfeil down 620
Gesamtgehzeit (in Stunden):
ca. 6
Schwierigkeiten
Keine
Ausrüstung:
Karte:
Freytag & berndt WK 031 "Ötscherland – Mariazell – Scheibbs – Lunzer See"
Geocaches:

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