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Mountainbiken rund um Wien

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Müde Beine, nichts als Steine, Aussicht keine ... (Heinrich Heine)

Verwall II

Konstanzer Hütte - Kuchenjoch - Ober-Beerbacher Steig - Darmstädter Hütte, 7/2003


Von Thomas Rambauske

Route

Konstanzer Hütte (1688m) - Kuchenjoch (2730m) - Darmstädter Hütte (2384m)

HM ca. 1050 m / GZ 4,5 - 5 Stunden

Aufstieg zum Kuchenjoch

Kurz vor dem Kuchenjoch
Kurz vor dem Kuchenjoch

 

 

Berni on the rocks
Berni on the rocks ...

Über ein Steiles Firnfeld

 

Ausgangspunkt die gemütliche Konstanzer Hütte (siehe Verwall I: Kops Speicher - Heilbronner Hütte - Muttenjoch). Nun etwa 15 Minuten in das Fasultal hinauf, bis ein Wegweiser nach links über eine Brücke über den Fasulbach lenkt. Die Gemütlichkeit hat hier ein Ende, da es nun einen Höhenkilometer bergauf geht - das aber recht abwechslungsreich. Zuerst durch kleine Zirbenwälder, dann durch Latschen über die nicht mehr ganz so steilen Weidehänge der Fasulalp mit eindrucksvollen Blicken auf Seine Majestät, den Patteriol. Schließlich in ein Geröllkar, das uns - wenn es tags zuvor im Tal geregnet hat - durch Schnee ins Kuchenjoch (3 Stunden) leitet.
Das Glück, die legendäre Aussicht vom Scheibler, dem zentralen Aussichtsbalkon des Verwalls, genießen zu können, haben wir leider nicht. Nebel und leichtes Nieseln machen einen Aufstieg sinnlos. "Müde Beine, nichts als Steine, Aussicht keine ...", wusste schon Heinrich Heine so seine Situation richtig zu bewerten. Also belassen wir es dabei, uns ein gemütliches Jausenplatzl zwischen der Nordkante der Kuchenspitze und dem Scheibler zu suchen und das eigentümliche (und kalte!) Gefühl zu verspüren, mitten im Sommer regelrecht eingeschneit zu sein.

Der Scheibler (2978m) verlangt Orientierungsfähigkeit, Schwindelfreiheit und die Beherrschung des 1. Schwierigkeitsgrades für einige leichte Kletterstellen; 45 Minuten vom Kuchenjoch.

Für den Weiterweg gibt es zwei Möglichkeiten: Über den Kuchenferner abzurodeln, was uns ob der Steilheit und der eisigen Zwischenlage als nicht empfehlenswert erschien, oder über den sog. Ober-Beerbacher Steig (oder "Apotheker Weg", wie in den Karten verzeichnet) zu klettern. Der Ober-Beerbacher Steig dürfte neueren Datums sein, die Drahtseile erst gespannt und deswegen äußerst sicher. Schwindelfrei und absolut trittsicher sollte man aber hier trotzdem sein, da es über zwei senkrechte Platten geht. Am Fuß des Steigs erreichen wir DAS Kriterium des Steigs: Ein sehr steiles Firnfeld, wo gestern zwei Berg-Mädels umkehren mussten, da sie keine Grödeln dabei hatten. Anfang Juli verschwindet hier das Drahtseil in einem etwas 20 m breiten Firnfeld, dessen FALLlinie kein Abrutschen zulässt, da sie zielsicher in unweiches Moränengeröll führt. Also unsere Grödeln ausgepackt und langsam - step by step - hinüber. Die Gefährlichkeit dieses Felds hängt sicher von den vorhergehenden Witterungsverhältnissen ab: Warme Sonnentage - kein Problem, Kälte und Schnee - Problem.

Von dieser Passage flott hinunter und am Ufer eines kleinen Sees vorbei, in dem sich Saum Spitze und Raute Kogel hübsch spiegeln (siehe Titelbild). Die Darmstädter Hütte (2 Stunden vom Joch) finden wir bis auf ein wetterfestes, älteres Ehepaar aus der Schweiz so verlassen vor, dass sich selbst der Hüttenwirt fürchterlich zu langweilen scheint. Einziger Negativpunkt der ansonsten ausgezeichneten Hütte: Kein Apfelstrudel!

Darmstädter Hütte

Die Darmstädter Hütte hat ihre Existenz einem Glückstreffer der DAV-Sektion Darmstadt zu verdanken, die 1888 im hintersten Winkel des bis dahin völlig unbekannten und unerschlossenen Verwalls eine kleine Hütte errichtete. Im unteren Raum befanden sich 7 Matratzenlager, im Obergeschoss ein "Damengemach" mit 2 Matratzen und die Lagerstätte für die Führer. Dank ihrer ausgezeichneten Lage mit Übergängen zur Konstanzer, Friedrichshafener und Niederelbehütte musste die Hütte 1897, 1907 und 1914 erweitert werden. Heute entspricht sie allen Anforderungen und allem Komfort einer hochalpinen Schutzhütte.

Tarock in der Darmstädter Hütte
Das Spiel g'standener Alpinisten schlechthin: Tarock


Schwierigkeiten:
Kriterien: Der stellenweise zünftige Klettersteig vom Kuchenjoch hinab und eventuell vereiste Firnfelder verlangen Trittsicherheit und alpine Erfahrung.
Beste Jahreszeit: Sommer, Herbst
Kinder: Ab 15
Ausrüstung: Pack-Checkliste >>> + Grödeln!
Einkehrmöglichkeiten: Konstanzer Hütte, Darmstädter Hütte
Karten: Freytag & berndt, WK 372 "Arlberggebiet, Paznaun, Verwallgruppe", Alpenvereinskarte 28/2
Internet:

Galtür, Kappl, Paznaun, Alpinarium