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Trekking durch den indischen Himalaya
Shivas Thron

Himalaya

Trekkingtour, 2017, Text/Bilder: © Lukas Letz

Eine Trekkingtour durch die Bergwelt des indischen Himalayas raubt selbst routinierten Weltenbummlern den Atem. Weil man einerseits auf über 4.500 Meter gelangt und andererseits angesichts des Bhagirathi-Massivs, des Shivling und des Kedar Dome die eindrucksvollsten Momente seines Trekkinglebens erleben kann.

Die Reifen quietschen, die Hupe schrillt, der Abgrund nähert sich bedrohlich schnell – vom Fahrersitz hingegen vernimmt man nur ein tiefenentspanntes „No problem, Sir“ und ein kicherndes Lachen, das von überlauter indischer Popmusik übertönt wird. Die Fahrt von Delhi nach Gangotri, der weltbekannten Hindu-Pilgerstätte, lehrt einen Westeuropäer mehrere Dinge: Man kann für 265 Kilometer mitunter drei Tage brauchen, Straßenverkehrsregeln sind optional, tausende Kurven hingegen zwingend. Die wahren Könige der Straße sind allerdings weder die bunt bemalten, stets überladenen LKWs noch die Touristen-Jeeps, sondern wohlgenährte Kühe, die manchmal wie Fata Morganas in unbeleuchteten Tunnels auftauchen.

Gangotri
Am Weg nach Gangotri entflieht man schnell der drückenden Hitze und der beeindruckenden Smog-Wolke Delhis und gelangt in den kahleren Norden des Landes nahe der chinesischen Grenze.
Die Etappe nach Mussoorie ermöglicht uns einen kleinen Vorgeschmack auf das noch Kommende: 45 Kilometer lang schlängeln wir uns durch aberhunderte Kurven bergauf und erreichen unser Ziel nach rund fünf Stunden. Es empfiehlt sich, die Unterkünfte am Weg nach Gangotri schon im Voraus zu buchen, da ab MitHimalayate September mit Ende der Monsunzeit  die Reisezeit in den Norden beginnt. Wir quartieren uns in einem netten Hotel am Berghang von Mussoorie ein und erkunden die kleine Stadt. Achtung vor den Affen! Diese sehen zwar herzig aus, können aber mitunter bissig sein – weshalb sich für den Fall der Fälle eine Tollwutimpfung empfiehlt, wie generell auch andere Impfungen (siehe Infos).
Am nächsten Tag geht es zusammen mit unserem Fahrer Kumar 120 Kilometer nach Uttarkashi (1.150 m) – Ausgangspunkt für viele Unternehmungen im Gangotri-Tal. Die Straße dorthin: ein Abenteuer: Nicht selten balanciert man mit dem Gefährt an der Bettkante des reißenden Ganges und ist froh, wenn einem in diesen Momenten kein LKW entgegenkommt.
In Uttarkashi bildet ein Jurtenzelt am Ufer des Ganges unser Quartier – ein malerischer Platz und Highlight des Trips. Am Markt decken wir uns ein letztes Mal mit Lebensmitteln ein, bevor es tags darauf in die kahle Bergwelt geht.
Der nächste Tag beschert uns eine 100-Kilometer-Jeep-Fahrt und 2.000 Meter Höhengewinn nach Gangotri (3.050 m), einem heiligen Ort für die Hindus. Der Mythologie nach stieg hier die Göttin Ganga aus dem Himmel zur Erde herab, als der Fluss Ganges durch Shiva geschaffen wurde. Das Flair Gangotris versprüht eine einzigartige Mischung aus Wallfahrtsort und Himalayabergdorf, in dem Expeditionsbergsteiger, Trekkinggäste und Pilger neben- und miteinander ihre Träume verwirklichen. In der Nähe des Tempels lernen wir Manohar, unseren Guide für die kommenden Tage, kennen und hegen von Anfang an große Sympathien für ihn.
Je nachdem, wie lange man vorhat, unterwegs zu sein, empfiehlt es sich, über den Lastentransport nachzudenken. Die günstigste und zugleich schweißtreibendste Variante ist die Do it yourself–Methode; ansonsten kommen Träger, die man in Gangotri anheuern kann, oder Packesel infrage. Bevor es dann wirklich losgeht, muss man sich noch beim Nationalparkbüro in Gangotri (wahlweise auch in Uttarkashi möglich) ein Permit für den Nationalpark besorgen.

BhojbasaHimalaya
Die erste rund vierzehn Kilometer lange Tagesetappe nach Bhojbasa auf 3.658 Metern verläuft über einen gut ausgebauten Weg, der mit keinerlei technischen Schwierigkeiten aufwartet. Dabei schlendert man anfangs durch lichten Wald und genießt eine reizvolle Idylle à la Himalaya. Nach zwei Stunden ändert sich das Landschaftsbild und man wandert entlang des reißenden Bhagirathi immer tiefer in eine Schlucht hinein. Bhojbasa liegt an einem malerischen Ort, bei gutem Wetter wird man mit Sicht auf die riesigen Wände der 6.000er des Bhagirathi-Massivs belohnt. Hier kann man sich entweder in einer rudimentären Hütte oder in seinem eigenen Zelt einquartieren, wobei wir uns für Letzteres entscheiden. Auch yogabegeisterte Menschen kommen in Bhojbasa auf ihre Kosten, frühmorgens und spätabends gibt es direkt am Ufer des Bhagirathi Yogaeinheiten mit einem der zahlreichen hier ansässigen Yogis.

Am Fuß des Shivling
Überwältigend der nächste Tag! Über etwas mühsames Moränengelände gelangt man zuerst nach Gaumukh, der Quelle des Bhagirathi, eines der beiden Quellflüsse des Ganges. Diesen heiligen Ort sollte jeder Hindu einmal im Leben betreten haben. Das riesige Gletschertor ist sowohl Naturspektakel als auch Pilgerstätte und somit ein einzigartiger Ort. Weiter geht es auf einem mit Geröll übersäten Gletscher Richtung Tapovan auf 4.463 Metern. Diese Passage, die rund drei bis vier Stunden dauert, ist die anstrengendste Etappe der Tour, zur Belohnung erhält man überwältigende Ausblicke auf den Shivling. Ein Traumberg für ambitionierte Alpinisten! Nicht weniger traumhaft ist das Tapovan-Camp an sich – eine idyllische Märchenwiese mit einem rauschenden Bach auf 4.500 Meter Höhe direkt am Fuß des Shivlings. Das Camp gehört zu den eindrucksvollsten Plätzen, die wir jemals betreten haben.

Lager

Am Kedar Dome
Die nächsten Tage verrinnen in einer angenehmen Routine – 6 Uhr aufstehen, Sonnenaufgang am Shivling, Frühstück in der Morgensonne und danach eine ausgedehnte Tagestour. Dabei kommen wir auch am vorgeschobenen Basecamp des Shivlings sowie des Kedar Domes (6.831 Meter) vorbei. Vor allem der Kedar Dome tat es uns an, da seine sanften Hänge unsere Skibergsteigerherzen höherschlagen ließ.
Tapovan bietet für seine Besucher unendlich viele Möglichkeiten, von Basecamp-Besuchen über ausgedehnte Gletschertrekkings bis hin zu Bergbesteigungen ist alles möglich. Unsere Tage in Tapovan vergehen leider viel zu schnell …
Wer bereit ist, Abstriche in Sachen Infrastruktur und Anreise in Kauf zu nehmen, wird mit einer atemberaubenden und abenteuerlichen Bergwelt inmitten des indischen Himalayas belohnt.
Prädikat: Sehr empfehlenswert!

Asublick

Trekkingtour, 10–12 Tage:
› Delhi – Dehradun – Mussoorie – Uttarkashi – Gangotri – Bhojbasa (3.600 m; 600 HM, 4–5 Std., 14 km)
› Bhojbasa – Tapovan (4.400 m, 800 HM, 6 Std., 10 km)
› Tapovan – vorgeschobenes Shivling-Basecamp (5.000 m, 600 HM, 4 Std., 8 km)
› Tapovan – Kedar Dome-Basecamp (4.700 m, 300 HM, 4 Std., 6 km)
Anforderungen:
Technisch einfaches Trekking, dennoch sollte die große Höhe nicht unterschätzt werden (viel trinken, langsam aufsteigen); man schläft mehrere Tage auf 4.500 Metern!
Währung:
Als Zahlungsmittel im Land gelten indische Rupien. Am besten werden diese gegen Euro oder USD in Delhi gewechselt. 1 Euro entsprechen derzeit grob gerechnet rund 70 Rupien, eine Mahlzeit bekommt man meistens um 150 bis 300 Rupien.
Beste Reisezeit:
Mitte Mai bis Juni, Mitte September bis Ende Oktober
Impfungen:
Standardimpfungen wie Hepatitis A und B, Tollwut; auch Malaria ist in Indien in Höhenlagen unter 2.000 m ein Thema
Permits/Guide::
Pro Tag dürfen nur eine bestimmte Anzahl von Trekkern und Pilgern Richtung Gaumukh starten. Daher Permit im Voraus über eine Agentur abwickeln lassen. Für Berge über 5.000 Meter benötigt man eine Besteigungsbewilligung, die bereits Monate vorher beantragt werden muss.
Permits/Guide:
Öhler Schutzhaus, Ghf. Mamauwiese, Wasserfallwirt
Außerdem sehenswert:
Rishikesh (Zeremonien am Ganges), Agra (Taj Mahal), Jaipur (Palast der Winde), Delhi (größter Gewürzbasar der Welt).
Buchungstipp:
Ruefa "Berge der Welt" wird nächstes Jahr zwei Gruppentermine durchführen: 27. 5.–10. 6. und 30. 9.–14. 10. 2018 Richtpreis: € 2.290,–
Ruefa "Berge der Welt" >>>
Anfragen: Bernhard Letz, bernhard.letz@ruefa.at

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