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Hainfelder Kirchenberg
Das Lachen des Winters

Hainfelder Kirchenberg

Februar 2010, Schneeschuhtour, Wiener Voralpen

Reportage/Bilder: Thomas Rambauske

Der Winter ist weder kalt noch grau noch abweisend. Im Gegenteil: seine sinnlichen Seiten regen die Phantasie an, weil sich zwischen Schneewiese und Zuckerwald spannende Geschichten abspielen.

In der Alpinpädagogik unterscheidet man zwei extreme Altersstufen: Das JÖ- und das NÖ-Alter. Der prä- bzw. mittendrin-pubertäre NÖ-Jährige verneint alles, was sich außerhalb seines Aktionsradius' zwischen Couch, Bett und Fernsehstuhl abspielt; was über das bloße Gehen mit Converse-Schuhen hinausreicht gilt als uncool; und im Familienverband durch die Botanik zu latschen ist ihm noch peinlicher als den Freunden dieses Geschreibe vorzulesen. Einen Teenager im NÖ-Alter könnte man bestenfalls mit der Aussicht auf einen Berg locken, dass irgendwo im schneeweißen Tann Bart Simpson oder Hannah Montana hockt und Audienz gewährt.

WiwiEin Kind im JÖ-Alter hingegen lässt sich noch für jedes echte Abenteuer begeistern – selbst für eine Schneeschuhwanderung. Aber Vorsicht! Gerade in diesem Stadium können Fehler begangen werden, die zielpunktgenau ins NÖrwana führen. Damit genau das nicht passiert, gilt es für uns Erwachsene, eine Wintertour mit Kindern nicht als Sport, sondern als sinnliches Erlebnis zu begreifen. Und der Winter ist in höchstem Maße sinnlich! Der Geruch des Schnees erfrischt, Schneestaub, der von den Bäumen fällt, kitzelt im Gesicht, der Bach dampft, das Wasser schlängelt sich aalartig durch das dünne Eis, und auch die wenigen Geräusche, die im Winterwald zu hören sind, regen die Phantasie an: Knarrende Bäume klingen wie die Balzrufe eines urzeitlichen Riesenvogels und das Rascheln im Gehölz lässt auf versteckte Lebewesen schließen. Damit der winterliche Zuckerwald als anregendes Fantasieland empfunden werden kann, überlassen wir dem warm verpackten Kleinsten die Führung. Er bzw. sie ist der Leithammel und bestimmt Tempo, Ziel und Pausen. CelAn sich brauchen Kinder keine Animation oder Inszenierung des Natur-Erlebnisses. Insbesondere der Winter inszeniert sich von alleine, und Kinder erspüren seine Eigenarten von selbst – so man sie lässt. Das viel gescholtene Laissez-faire ist hier erlaubt, ja sogar gefordert, also kein "Mach' dich nicht nass!" oder "Geh' doch endlich weiter!" Ein tiefschneeiger Hang, der nach Herzenslust betollt und berollt werden kann, schneebedeckte Äste, die eine begehbare Höhle bilden oder bei Berührung Papa verschütten, oder kühlende Hagebutten-Eislutscher – der Winter bietet sinnliche Erlebnisse en masse. Auf dem Hainburger Kirchenberg etwa, einem idealen Schneeschuhberg für Kinder übrigens mit leichtem, unsteilem Weg und der Liasnböndl Hütte in der Mitte, waren es seltsame Spuren auf einer "Schneewiese", die kurzerhand zum Zwischenziel erklärt wurden. Sie aufzuspüren, zu verfolgen und zu einer spannenden Geschichte zukombinieren, weckt phantasiereiche Entdeckerlust. Und sind keine Spuren vorhanden, sorgt man einfach selbst dafür und erfindet damit seinen eigenen Winterkrimi, was folgender Maßen abläuft: Papa oder Mama spielt den Fuchs und stapft durch jungfräulichen Wald voraus, der Rest der Familie folgt nach wenigen Minuten und versucht den Ausreißer aufzuspüren und das Märchen, das seine Spuren erzählen,Spuren zu entschlüsseln. Vielleicht musste der Fuchs ja einige Hindernisse überwinden, vielleicht hat er eine falsche Fährte gelegt oder gar etwas Leckeres fallen lassen ...? Wo aber hat er sich versteckt?

In der Hainfelder Hütte am Gipfel wird aufgewärmt und aufgetankt, ehe es zum finalen Spaß geht: Dem Abrodeln über die von Skitourengehern platt gefahrenen Hänge des Bergrückens. Der spritzende Schnee, das JÖbeln unseres Mädls, das Lachen des Winters – wer da noch behauptet, Väterchen Frost sei nicht sinnlich, irrt gewaltig.

So also einige Präventivmaßnahmen gegen die drohende NÖitis. Vielleicht merkt sich das JÖ-Kind auf diese Weise bis ins NÖ-Alter, dass die schönsten Abenteuer in der Natur stattfinden und nicht auf der heimischen Couch.

Celine

Aufstieg/Route

Hainfeld (Kirche, 439 m) – Liasnböndl Hütte (640 m) – Hainfelder Kirchenberg (Hütte, 922 m) – Weg 622 – Kirchenbauer – Hainfeld

HU Pfeil uppfeil down ca. 500 m, GZ 3 Stunden

Das Auto kann bei der Kirche in Hainfeld geparkt werden. Apropos Hainfeld: Hier betreten Politikinteressierte historischen Boden, wurde doch vom 30. Dezember 1888 bis zum 1. Januar 1889 der Hainfelder Parteitag abgehalten, auf dem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs, die heutige SPÖ, gegründet wurde. Na bitte.
Zurück zu den wahren Freuden des Lebens: Links an der Kirche vorbei und auf einer Forststraße hoch. Nach kurzer Zeit schon zweigt der Weg nach links hin ab, wobei zahlreiche Skispuren jede Verirrung verbieten. Beim Wegweiser zur "Liasnböndl Hütte" halten wir uns auch danach und ziehen durch hübschen Wald weiter hoch. Nach einer Dreiviertelstunde hat man die Hütte der Naturfreunde erreicht. Bis hierher führt ein Trampelpfad, unschwer und leicht – also durchaus auch für Kinder zu empfehlen. Nun in Serpentinen durch Wald. Nichts als Wald, das Knarren alter Bäume hört sich an wie der Balzruf eines Vogels. Dann etwas zum Schmunzeln: der "Haföder Weda-Sta" (siehe Bild links).
nun ein kurzes Stück entweder auf einer Forststraße oder rechts davon auf einem Waldpfad bis zur Hainfelder Hütte (922 m), der Gipfelhütte des Hainfelder Kirchenbergs. Für den Abstieg kurz bis zur Wetterstation und zur Rechtskurve der Forststraße retour, wo sich ein Waldkamm öffnet. Über diesen mit herrlichem Ausblick über die Wienerwald-Berge. Am Kamm wird Trapper-Feeling wahr. Einsam und selbst spurend blau markiert am Weg 622 bis zum Kirchenbauer, wo unsere einsame Spur mit dem Wirrwar der Skifahrer und Wintergeher zusammentrifft. Von weitem schon winkt uns die Kirche, die wir nach 1 Stunde erreicht haben.

Video:

 

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Schwierigkeiten:
Keine
Lawinengefahr:
Keine
Gesamthöhenmeter:
Pfeil uppfeil down 500
Gesamtgehzeit:
3 Stunden
Beste Jahreszeit:
Jederzeit möglich
Eignung für Kinder:
Bestens
Eignung für Hund & Katz':
Bestens
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Liasböndl-Hütte, Hainfelder Hütte
Karte:
freytag & berndt, Wienerwald Wanderatlas

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