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Wo die Ski laufen lernten:

Klosteralpe - Muckenkogel

Klosteralpe - Muckenkogel
Zum Startplatz des ersten alpinen Torlaufs, Februar 2005

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Matthias Zdarsky hätte wohl seine Freude: Auf jenem Hang, wo er vor genau 100 Jahren den ersten Torlauf der alpinen Skigeschichte inszenierte, tummeln sich nun Skifahrer, Snowboarder und Carver. Etliche Lifte und der "Zdarsky-Panoramaweg" locken jede Menge Schneesüchtige auf den Muckenkogel, wie der geschichtsträchtige Berg über Lilienfeld genannt wird. Zdarsky hätte sich wohl bestätigt gefühlt, veränderte doch seine Erfindung das Winterverhalten der nachfolgenden Generationen von Grund auf und infizierte er mit seiner Leidenschaft für Schnee Abermillionen auf der ganzen Welt. Ob er auch Freude mit Skitourengehern hätte? Die haben auf jeden Fall ihre Freude mit der traumhaften Winterlandschaft, den Wäldern, Almflächen und urigen Labestellen der Traisener Hinteralm.


Anfahrt & Aufstieg

Lilienfeld-Stift (383 m) - Spitzbrand-Kogel (729 m) - Glatzwiesen Sattel - Lilienfelder Hütte (956 m) - Kloster Alm (1067 m) - Traisener Hütte (Kloster-Hinter Alpe, 1311 m) - Muckenkogel (1248 m) - Lilienfelder Hütte - Lilienfeld

HU ca. 950 m / GZ 6 Stunden

Aufstieg

Ein Metall fressender Baum
Ein Metall fressender Baum

Die Lilienfelder Hütte
Die Lilienfelder Hütte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Traisener Hütte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klösterpunkt
Klösterpunkt

Die hier vorgestellte Tour eignet sich sowohl für Skitouren- als auch Schneeschuhgeher. Entenfüßler sollten aber Figln dabei haben, da die krönende Abfahrt über oder neben der Piste einen kraftraubenden Talhatscher erspart.

Gleich nach dem Stift Lilienfeld kann das Gefährt auf einem großen Parkplatz abgestellt werden (ein Blick in die barocke Basilika lohnt sich auf jeden Fall!). Beim ersten Teilstück sind eher Schneeschuhgeher im Vorteil, verläuft der Weg doch etwas steiler durch Wald und über jungfräuliche Lichtungen. Skitourengehern sei empfohlen, mit dem Sessellift bis zum Muckenkogel bzw. per Schlepplift bis knapp vor die Kloster Alm zu fahren. Von dort gibt es noch genügend Möglichkeiten, weiter zu stapfen.
Zurück aber nach Lilienfeld. Nach einem kurzen Stück Straße rechts hinauf dem Wegweiser "Ulrichshöhe" bzw. "Ulrichswarte" (gelb, später blau markiert) nach. Mit schönem Blick über Lilienfeld bis zu einem hölzernen Pavillon. Dort dann links an einem Gehöft vorbei bis zum Fuß der von weitem sichtbaren, dreiecksförmigen Lichtung. Diese nun je nach Schnee- und Lawinenlage im konsequentem Zickzack oder durch den Wald umgangen hoch. Dieser Wegabschnitt kann sich bei hoher Schneelage zu einer deftigen Wühlerei auswachsen, weshalb hier doch etwas Kraft und Technik von Nutzen sind. Im oberen Drittel des Dreiecks schwenkt der blau markierte Weg rechts, noch immer Richtung "Ulrichswarte", in Waldgelände ab. Wenn blau auf grün und rot trifft, leitet rot in Richtung "Glatz" (= Glatzwiesen Sattel) weiter, während grün über den Spitzbrand Kogel (729 m) ebenfalls in den Sattel führt. Landschaftlich schöner und immer noch vom Glockengeläut des Stifts begleitet über den breiten Kamm des Spitzbrand Kogels bis zu dessen bekreuzten Gipfel (1 ½ Stunden, Gipfelbuch). Null Aussicht, da zugebaumt. Nun bergab, an einer Wildfütterungstelle vorbei. Die Wühlerei hat nun genauso ein Ende wie die Ruhe, da wir auf die Skipiste stoßen. Wenn unter der Woche wenig los ist, kann der Rand der Abfahrt ruhig benutzt werden. Nach einer halben Stunde ist schon die erste Raststation erreicht, die kleine Lilienfelder Hütte (1 St., 956 m).

Von der Hütte nun etwas abseits der Piste an einer Bergrettungshütte vorbei, wo über uns schon die Sendestation am Muckenkogel aufragt. Immer rechts haltend über freie Flächen zur Kloster Alm (Einkehrmöglichkeit, 1067 m). An dieser vorbei in eine Forststraße einlenkend, wo wieder beschauliche Ruhe herrscht. Den Weg findet man meist von Skitourengehern gespurt. Übrigens schwenken wir hier auf den "Mathias Zdarsky-Panoramaweg" (Rundweg von der Bergstation des Sesselliftes über Muckenkogel und Schutzhaus Hinteralm - zurück über Schwarzwald und Kloster Alm zur Bergstation) ein und verfolgen diesen von jetzt an. Infotafeln erinnern an den Ski-Pionier und manche seiner Lebensweisheiten, wie etwa jenen "Leicht irrt, wer nach Wahrheit strebt. Wer nicht sucht, lebt im Irrtum."

Auf dem Weiterweg kann es keinen Irrtum geben: immer der Gürtellinie der Klosteralpe entlang, immer den Ötscher im Blick Richtung Süden, bis der Weg beim Schwarzwald Riegel eine scharfe Linkskurve vollzieht.

Variante: Wenn man will, kann man den gelb markierten Weg Richtung Kandlhof Alm und Rotenstein fortsetzen und von dort zur nach Südosten zur Öderberghütte und weiter zum Rotenstein (1126 m) aufsteigen. Von dort über den Kamm der Sternleiten zur Kloster-Hinter-Alpe.

Von der besagten Weggabelung beim Schwarzwald Riegel links mäßig steil (rot, 622) hoch bis zur Lichtung der Kloster-Hinter Alpe, an deren oberen Rand die Traisener Hütte thornt (1 ½ St. von der Lilienfelder Hütte). Die wunderschön gelegene Raststation lädt zum Schauen, Essen und Genießen ein.

Skitourengeher können hier ihre Felle abziehen, gilt es doch über eine pistenartig gepflegte Forststraße gen Muckenkogel zu gleiten. Wer auf den Gipfel des Muckenkogels will, muss allerdings wieder anfellen bzw. die paar Schritte über den kurzen Gipfelaufbau zu Fuß gehen (1248 m, 30 Minuten von der Traisener Hütte). Warum noch dort hinauf? Weil sich neben der scheußlichen Sendeanlage der historische Startplatz des ersten Torlaufes der alpinen Skigeschichte befindet.

Der Startplatz des ersten alpinen Skirennens
Der Startplatz des ersten alpinen Skirennens

Am 19. März 1905 veranstaltete Mathias Zdarsky hier den ersten Torlauf der alpinen Skigeschichte. Der Hang, der damals in uralter Technik aufgefahren wurde, hat es in sich! Bis 45° neigt er sich zur Bergstation des Sesselliftes - Kompliment! Auf jeden Fall ist's schade um diesen herrlichen Platz mit Blick auf Wein- und Waldviertel. Eine kleine Hütte mit Zdarsky-Reminiszenzen, die historische Piste wieder in sprichwörtlichen Schwung gebracht - und der Platz würde erheblich aufgewertet.
Am Muckenkogel auch der sog. "Klösterpunkt", da dort bei klarem Weter alle möglichen Stifte und Klöster in den Blick rücken sollen - wie Melk, Herzogenburg, Göttweig. Ein Schilderbaum listet sogar etwas hochmütig den Wiener Stephansdom auf.

Wer nun die Ski bzw. Figln im Keller stehen gelassen hat, ist selbst schuld. Die Abfahrt bis ins Tal sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen - wenn schon mal eine Piste da ist ..., die Gebühr für deren Befahrung wird man schon auf der Lilienfelder oder Traisener Hütte entrichtet haben.

Stift Lilienfeld

Blick auf LilienfeldIm Jahr 1202 stiftet Leopold VI., Herzog von Österreich und der Steiermark, "zur Ehre Gottes und zur Ehre der heiligen und glorreichen Gottesgebärerin Maria" die Zisterzienserabtei Lilienfeld. Wie in anderen Klöstern wurden auch in Lilienfeld während des Mittelalters zahlreiche Handschriften abgefasst. Im Stift Lilienfeld entsteht im 14. Jahrhundert die "Concordantiae Caritatis", eine kostbare Handschrift mit zahlreichen bildlichen Darstellungen.
1683 versuchen herumstreifende Türkenscharen, die befestigte Stiftsanlage zu erobern. Die Lilienfelder finden Schutz innerhalb der Stiftsmauern und verteidigen diese erfolgreich.
1976 verleiht Papst Paul VI. der Stiftskirche Lilienfeld den Titel einer Basilika.

Schwierigkeiten:
Keine
Lawinengefahr: Keine
Höhenmeter: Etwa 950 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 6 Stunden
Beste Jahreszeit: Nur bei ausreichender Schneelage lohnend
Kinder: Für Kind und Kegel ideal die Tour von der Bergstation des Sesselliftes weg zur Klosteralpe, Traisener Hütte, Muckenkogel und wieder zur Bergstation. Eine kleine Rodel sollte auf jeden Fall dabei sein.
Hund und Katz': Auch hier: Die vorgestellte Runde wäre für Hunde zu lang. Die Kurzfassung aber durchaus eine mögliche Hundstour.
Ausrüstung: Pack-Checkliste >>>
Einkehrmöglichkeiten:

Lilienfelder Hütte (Di. Ruhetag), Traisener Hütte (Mo., Di. Ruhetag)

Karte: Freytag & berndt "Wiener Hausberge"
Internet: www.zdarsky-ski-museum.at
www.stift-lilienfeld.at

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