www.BergNews.com
www.bergnews.com www.bergnews.com

Mountainbiken rund um Wien

Follow us to facebook

Schnee & Kristall, Sonne & Licht, Traum & Tour

Stuhleck im Entenschritt

Stuhleck

Fischbacher Alpen, Jänner 2006

Text/Bilder: Thomas Rambauske

Intro

Ja, es gibt sie, die alpinen Lotto-6er! Traumtouren, die sich für immer in die Erinnerung eingraben, weil bei ihnen alles zusammenpasst: innere und äußere Stimmung, Wetter und Mondphase, Wegführung und so viel Kostbarkeiten am Wegesrand, dass man damit ein Kunstmuseum füllen könnte. Meist passieren solche Touren unvermutet, man schlittert in sie hinein, ohne dass man damit rechnet, marschiert mit leerem Gemüt los und kehrt vollgepackt mit Glückmomenten zurück.
So mir geschehen an einem ganz normalen Jännersamstag. Nebel in der Stadt, eher unlustiger Aufbruch zur monatlichen alpinen Pflichtübung, Schneeschuhe eingepackt, Transfer über den Semmering bis Mürzzuschlag, um von dort auf das Stuhleck zu stapfen. Eher ein Berg, der als verlifteter Skizirkus verschrien ist, an dem sich aber doch noch Geheimwege finden lassen, die sogar zu alpinen Lotto-6ern führen können. Aber lies selbst ...


Anfahrt & Aufstieg

Hasenbauer (700 m) - Schöneben - Bettlbauer - Kanonenrohr - Schwarzriegelalm (1461 m) - Schwarzriegel (1593 m) - Stuhleck (1782 m, Alois Günther-Haus)

HU ca. 1000 m, GZ 5 Stunden

 

 

Eines der Marterln am Aufstiegsweg
Eines der Marterln am Aufstiegsweg

Über die A2 Richtung Semmering und die S6 nach Mürzzuschlag. Kurz vor dem Ortseingang zweigt eine Gasse nach links ab. Am besten lässt man die Karre schon in der Autobahnunterführung stehen, da weiter oben beim Hasenbauer Parkplätze meist spärlich gesät sind.

Wo sich die Straße teilt, dem Schild "Stuhleck" nach, am Gasthof Lissy vorbei, durch ein kurzes Waldstück, bis offenes Gelände erreicht wird und die geräumte Straße endet. Ein weiterer Wegweiser "Stuhleck" sollte den geglückten Start bestätigen. Hier auch die Schneeschuhe angeschnallt und über die erste "Wiese" an den Waldrand. Diesen stets über freie Flächen entlang, bis sich nach etwa 45 Minuten schon Stuhleck und Pretulalpe ins Blickfeld schieben. Noch aber ist ein ordentliches Stück zu marschieren. Rot markiert, meist schon vorhandenen Entenspuren nach, kaum steil, aber immer der Sonne entgegen, schlendert es sich fast meditativ über die schönen Ebenen der - nomen est omen - "Schöneben". Dem nicht genug, entdecke ich hier Meisterwerke der Natur, wie sie schöner nicht sein können: Ein funkelndes Meer von Schneeblumen, jede für sich aus einzelnen Schneekristallen geformt, von denen man sagt, dass keiner dem anderen gleicht. Der geniale Schöpfer dieser filigranen Kunstwerke: Der Wind, der aus einzelnen Molekülen eine formvollendete, anmutige und von faszinierender Ebenmäßigkeit geprägte Kristallflora geblasen hat. Eine vergängliche Schönheit leider. Sobald die erste Schneeflocke zu schmelzen beginnt, wird auch diese kristallene Schatzkammer für immer verloren und spurlos verschwunden sein.

Schneekristallblumen
Wiesen voller Schneekristallblumen - Meisterwerke der Natur (als Bildschirmhintergrund >>>)

 

Rax

 

Die Freuden des Schneeschuhgehens

 

Alois Günther-Haus


Sonnenuntergang

Der Weg über die Schöneben entspricht einer Idealline für Schneeschuhtouren. Nie so steil, dass man zu schwitzen beginnen würde, nie länger als notwendig durch schattigen Wald, nie zu Hektik verlockend, weshalb hat man hier auch jede Menge Zeit hat zu schauen und staunen. So wird man auch nicht die mit Eis kandierten Zweige und Äste übersehen, und das Dreigestirn der Wiener Hausberge - Rax, Schneeberg und -alpe - hinter uns, und man wird auch nicht die eigene Zufriedenheit übersehen, die sich inmitten dieser Galerie der Naturschätze breitmacht.

Aber weiter, weiter, wir haben noch viel vor. Beim Gehöft Bettelbauer (2 Stunden) links in eines der wenigen Waldstücke, das man bei einer Kapelle wieder verlässt. Danach nicht unangenehm steil wieder durch Tannenwald bis zum Jagdhaus Hochreith. Nun entweder über die markierte, aber längere Forststraße oder über den waldigen Saumweg des sog. "Kanonenrohrs" direkt zur Schwarzriegelalm (1461 m). Hier hat man endgültig die baumfreie Hochfläche zwischen Grazer Stuhleck und Stuhleck Hauptgipfel erreicht. Südlich über Almgelände zur großen Einsattelung beim Schwarzriegel (1593 m). Stop! Hier wird man sich entscheiden müssen zwischen dem nordöstlichen Weg zum Stuhlreck mit dem Alois Günther-Haus oder dem rechten (SW) Weg über das Grazer Stuhleck und das Geiereck zur Pretul mit der Peter-Bergner-Warte und dem Rosegger Haus. Ich wende mich - leider ein kleiner Fehler - nach links gen Alois Günther-Haus. Nicht wissend, dass die Verliftung neuerdings bis zur Hütte reicht, erlebe ich hier leider einen Massenauflauf von Skifahrern, der ganz und gar nicht zur heutigen Idealroute passt. Mein Tipp also: Rosegger Haus. Die Hauptwege sind am Plateau mittels Stangen gekennzeichnet, sodass selbst bei trübem Wetter ein sicheres Weiterkommen möglich ist. Nach insgesamt 5 Stunden wird man eine der Hütten erreicht haben.

Die Passage mit dem Alois Günther-Haus überspringe ich hier lieber, und setze wieder ein um 16 Uhr, knapp vor Sonnenuntergang; und noch warten drei Stunden Marschzeit auf mich. Kein Irrtum mit der Zeit, sondern beabsichtigt, schließlich ist heute Vollmond, ich habe alle Zeit der Welt, da Bruder Mond Schwester Sonne bei der Beleuchtung meines Weges ablösen wird. Und außerdem beeindruckt der Sonnenuntergang hier oben ungleich mehr als unten. Die Farbenspiele, das plötzliche Einsetzen kalten Windes, die Ruhe, die sich innen und außen breit macht - auch so eine Traumkonstellation, die man nur an Glückstagen erlebt.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Stuhleck (als Bildschirmhintergrund >>>)

Abstieg

Wie Aufstieg

HU ca. 1000 m, GZ 3-4 Stunden

 

Da die auch für eine Vollmondtour perfekte Linie kaum durch Wald verläuft, brauche ich beim Abstieg keine Stirnlampe. Das Himmelsflutlicht leuchtet mir den Weg pastellfarben aus, allein in den Waldstücken macht es sich bezahlt, den Weg vom Aufstieg her schon zu kennen.

Auf meiner Schneekristall-Wiese glitzert und blinkt und funkelt es, dass mir nochmals ganz weihnachtlich wird. Bei jedem Schritt klirrt es wie von zerbrechendem Glas. Ein wenig beschämt ob meines zerstörerischen Vandalismus trete ich vorsichtig in die Aufstiegsspur, um auch dir noch etwas von diesen Meisterwerken der Natur zu überlassen.


Die Entstehung von Schnee(kristallen)

SchneekristallSchnee entsteht, wenn sich in den Wolken feinste Tröpfchen unterkühlten Wassers an Kristallisationskeimen (zum Beispiel Staubteilchen) anlagern und dort gefrieren. Dieser Prozess setzt jedoch in der Regel erst bei Temperaturen unter -10 °C ein, wobei noch bis -40 °C auch flüssiges Wasser existiert. Die dabei entstehenden, weniger als 0,1 mm großen Eiskristalle fallen nach unten und wachsen durch den Unterschied des Dampfdrucks zwischen Eis und unterkühltem Wasser weiter an. Auch resublimiert der in der Luft enthaltene Wasserdampf, geht also direkt in Eis über und trägt damit zum Kristallwachstum bei. Es bilden sich die bekannten sechseckigen Formen aus. Wegen der besonderen Struktur der Wassermoleküle sind dabei nur Winkel von 60° bzw. 120° möglich.
Die unterschiedlichen Grundformen der Schneekristalle hängen von der Temperatur ab – bei tieferen Temperaturen bilden sich Plättchen oder Prismen aus, bei höheren Temperaturen sechsarmige Dendriten (Sterne). Auch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst das Kristallwachstum.
Herrscht hohe Thermik, bewegen sich die Kristalle mehrfach vertikal durch die Atmosphäre, wobei sie teilweise Schneeblumeaufgeschmolzen werden und wieder neu kristallisieren. Dadurch wird die Regelmäßigkeit der Kristalle durchbrochen und es bilden sich komplexe Mischformen der Grundformen aus. Sie weisen eine verblüffend hohe Formenvielfalt auf, so dass landläufig behauptet wird, es gäbe keine zwei identischen Schneekristalle.
Ebenso verblüffend wie die beobachtete Formenvielfalt ist ihre ausgeprägte Symmetrie, die Schneekristallen eine hohe Selbstähnlichkeit verleiht und sie zu einem Vorzugsbeispiel der fraktalen Geometrie werden ließ (Koch-Kurve). Die verschiedenen Verästelungen wachsen in einem Exemplar stets in derselben Weise und offenbar mit ähnlicher Geschwindigkeit, auch wenn ihre Spitzen, an denen sie weiter wachsen, oft mehrere Millimeter auseinander liegen. Ein möglicher Erklärungsversuch, der ohne Annahme einer Wechselwirkung über diese Entfernung hinweg auskommt, besteht in dem Hinweis, dass die Wachstumsbedingungen an verschiedenen vergleichbaren Keimstellen an den Spitzen zu gleichen Zeitpunkten sicherlich immer recht ähnlich sind.

(Quelle: http://de.wikipedia.org; Linktipp: www.snowcrystals.com)


Schwierigkeiten:
Bei dichtem Nebel Orientierungsschwierigkeiten am Hochplateau. Stangen leiten aber gut weiter. Die Gehzeit von 8-9 Stunden ist für eine Schneeschuhtour sehr lange. Die sanfte Neigung der Route strengt aber kaum an.
Lawinengefahr: Keine
Höhenmeter: Etwa 1000 in Auf- und Abstieg
Gesamtgehzeit: ca. 8-9 Stunden
Beste Jahreszeit: Bei ausreichender Schneelage
Kinder: Nicht geeignet, da zu lang
Hund und Katz': Nicht geeignet
Ausrüstung: Pack-Checkliste
Einkehrmöglichkeiten:

Alois Günther-Haus, Rosegger Haus

Karte: Freytag & berndt WK 021 "Fischbacher Alpen, Roseggers Waldheimat", 1:50.000
Internet:

www.snowcrystals.com