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Mountainbiken rund um Wien

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Vollmond-Skitour aufs Stuhleck
Mondsüchtig

Stuhleck

Skitour, Fischbacher Alpen, Jänner 2013; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Fullmoon statt Highnoon – Mondsucht statt Sonnenanbetung – wenn der Vollmond sein weiches Licht anknipst, ist es ein Märchen durch den glitzernden Schnee zu wandeln. Die mystisch-geheimnisvolle Stimmung hat einen besonderen Flair. Es gibt wenig Dinge, die man als Ski-Fahrer einmal gemacht haben muss. Eine Skitour bei Vollmond in unseren Wiener Hausbergen gehört dazu.
Auf den Semmering-Gipfel muss man aber auch aus einem anderen Grund: Das Stuhleck war der erste Berggipfel Österreichs, der im Winter mit Ski bestiegen wurde. Im Februar 1892 stiegen Toni Schruf, Hotelier aus Mürzzuschlag, der Grazer Sektfabrikant Max Kleinoscheg und der Postbeamte Walther Wenderich von Mürzzuschlag aus mit Ski auf den Gipfel. Nicht zuletzt machte diese Pioniertat die Region um den Semmering zu einem der ersten Wintersportgebiete Österreichs.

Die Route

Wir wählen aus mehreren Gründen den kürzesten Anstieg vom Pfaffensattel aufs Stuhleck: Einerseits geht es uns heute nicht um Leistung oder den Sport an sich, sondern um das Erlebnis der besonderen Stimmung, die eine Vollmondnacht ausstrahlt. Zum anderen ist die Abfahrt im fahlen Licht der Nacht Neuland für uns, weswegen wir nichts riskieren oder übertreiben wollen. Schließlich aber ersparen wir uns so den Trubel, der von den Liften und Pisten auf der Spitaler Seite ausgehen.

So landen wir also um 16 Uhr am Pfaffensattel, schnallen an Aufstiegund setzen noch bei Tageslicht unsere ersten Schritte in den Schnee. Die gemächlich ansteigende Forststraße durch frisch verschneiten Wald stimmt langsam auf die Skitour ein. Ein erstauntes "Wow!" erregt unsere Aufmerksamkeit, rechter Hand prangt hoch über dem Tal die große Lichtkugel des Mondes, während links die Sonne ihren farbenprächtigen Abschied zelebriert: von tief orange über lila bis pastellrot verglüht sie langsam und verschwindet hinter der Pretul. Und auch der schneebedeckte Wald, durch den wir langsam hochziehen, wechselt sein Abendkleid: Lange leuchtet in ihm das Rosa derAufstieg Sonne nach, ehe der Mond den Anstrich übernimmt und alles in fahles Licht taucht. In diesen Momenten werfen unsere Stöcke erste zarte Schatten, schnell nehmen diese an Kontur und Schwärze zu, bis sie der Malkunst der Sonne in nichts nachstehen. Weiter oben sind die Bäume mit Fahnen aus Pressschnee bedeckt, Eiszapfen da und dort, in der Stille der Dämmerung hört sich Kratzen der Ski-Kanten besonders laut an. Dennoch ist es still ringsum, nichts ist schwarz, sondern blaugrau, nichts ist hart und kantig wie am Tag, alles geht weich ins andere über, verschwimmt zu einem elegischen Gemälde.
Oberhalb des Steinkorbes, knapp vor Erreichen des Bergrückens, kann harter windgepresster Schnee die Verwendung von Harscheisen erfordern. Bald haben wir die steileren Passagen hinter uns.

Mondstimmung

Ab der Spitaler Alm wird es flacher, viele abgeblasene eisige Stellen. Im Hintergrund  sind der Sonnwendstein und der Hirschenkogel zu sehen. Als wir das baumlose Plateau betreten, bläst sofort kalter Wind und streichen Schneefahnen über den Boden. Weit über uns lotst uns die Hütte mit ihrem heimeligen Licht zu sich. Als Orientierungshilfe bei Nebel oder Schneesturm fungiert zudem ein Weidezaun, der direkt zum Gipfel führt. Heute allerdings sorgen Mondlicht, der sternübersäte Himmel über uns und die Stille der Nacht für eine mystische, ja märchenhafte Stimmung. Die halbleere Hütte empfängt uns mit trauter Wärme, die Kaspressknödelsuppe schmeckt und wärmt.

Als wir wieder aus der Hütte treten, Abfahrtglitzert der Schnee wie ein Meer aus Kristallen. Unter uns das Mürztal, darüber hinaus der Ausblick ins südliche Bergland und auf Schneeberg, Rax und Schneealpe. Wir rücken die Stirnlampen zurecht, steigen in die Bindungen, stellen die Schuhe auf Abfahrt und stoßen uns mit klammen Fingern ab. Als Abfahrtsweg wählen wir den Aufstiegsweg, weil wir diesen kennen und uns auf keine Experimente einlassen wollen. Hat man sich an das schwache Licht gewöhnt, ist auch die Wedelei zwischen den Bäumen ein Vergnügen. Dennoch dämpfen wir das Tempo, der harschige, weil an der Oberfläche gefrorene Schnee erfordert Vorsicht. Eine Vollmondnacht ist immer eine andere, eine besondere Nacht. Die süchtig macht, süchtig nach Stille.

Lexikon: Das Stuhleck als Zentrum des Skisports

Dei beiden Steirer Max Kleinoscheg (1862-1940) und Toni Schruf (1863-1932) verstanden es, das Schneeschuhlaufen in die Breite zu tragen. Der Mürzzuschlager Hotelier Schruf wollte die tote Wintersaison beleben und begleitete seinen Grazer Freund Kleinoscheg schon bald auf erste Touren. Das 1782 m hohe Stuhleck im Gebiet der Fischbacher Alpen nahe Mürzzuschlag wurde von ihnen bereits 1892 mit Ski erstmals bestiegen. Einige Jahre später wurde auf diesem Berg die erste Skihütte der Alpen, die Nansenhütte, errichtet. Zu Beginn der 90er-Jahre kam es bereits zur Gründung von Skivereinen. Einer der ersten war der Verband Steirischer Skiläufer, der am Tag nach seiner Gründung, die Schruf, Kleinoscheg, und ihr Begleiter Wenderich am Gipfel des Stuhlecks 1892 bereits beschlossen hatten, am 2. Februar 1893 in Mürzzuschlag das erste Skiwettlaufen im Alpenraum durchführte. Sieger wurde Bismarck Samson, ein Norweger, der in Wien als Bäckerlehrling arbeitet. Im darauffolgenden Jahr kam es im selben Ort zu einer Wintersportausstellung mit skandinavischer Beteiligung. Mürzzuschlag blieb nun einige Jahre Zentrum des noch jungen Sportes. Als durch schneearme Winter die Gefahr bestand, dass das aufflammende Lichtlein des Skisports wieder erlöschen könnte, fasste man den Beschluss, dem Beispiel Stockholms zu folgen und im Jahre 1904 als Gegenpart zu den sommerlichen Spielen von St. Luis in Mürzzuschlag nordische Spiele zur Austragung zu bringen. Durch diese Großveranstaltung gelang es erneut, eine Popularisierung des Wintersports einzuleiten. Mangels der nötigen weißen Unterlage musste Mürzzuschlag aber die Staatsmeisterschaften im Skilauf an Kitzbühl weitergeben ...
Quelle: spitalamsemmering.com (mehr erfahren >>>)

Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
Pfaffensattel – Spitaler Alm – Alois Günther-Haus (1782 m); Abfahrt wie Aufstieg
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up Pfeil down 400
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up Pfeil down ca. 1–1½
Schwierigkeiten:
Keine
Lawinengefahr:
Keine
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Alois Günther-Haus (im Winter geöffnet)
Karte:
Freytag & berndt "Wiener Hausberge"
Geocaches:
Wikipedia-Wissen:

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