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Mark Twain was here!
Kaltenleutgeben – Höllenstein

Höllenstein

Schneeschuhwanderung, Wienerwald, Dezember 2010; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Es kommt selten vor, dass in und um Wien genug Schnee liegt für eine gediegene Schneeschuhtour, weswegen man nicht zögern sollte, die von Sommerwanderungen leidlich bekannten Naturecken auf ganz andere Weise kennenzulernen. Die Föhrenwälder um den Höllenstein etwa schneebedeckt oder die Sulzer Höhe wie von Zuckerguss überzogen vorzufinden, hat schon was. Und außerdem gehört der Höllenstein schon seit dem 19. Jahrhundert zu den "lohnendsten Ausflugszielen" des Bergzuges zwischen Sulz und Rodaun. Und noch etwas: Kaltenleutgeben, die "Perle des Wienerwalds", war einst Sommersitz von Mark Twain. Wenn das alles nicht genug Argument ist, die Schneeschuhe anzuschnallen!

Der Weg

Die Schneeschuhe zumindest auf den Rucksack geschnallt bei der Pfarrkirche von Kaltenleutgeben. Von dort auf Asphalt in die Karlsgasse, wo wir beim Haus Nr. 3 stehen bleiben und ehrfürchtig an Tom Sawyer und Huckleberry Finn denken sollten. Eine Gedenktafel verrät nämlich: Mark Twain was here! Als sich die sich die Familie "Clemens" (so der bürgerliche Name Twains), seine Ehefrau Olivia und seine Töchtern Clara und Jean, nämlich vom Herbst 1897 bis zum Frühjahr 1899 in Österreich aufhielt, verbrachte sie den Sommer 1898 in Kaltenleutgeben. Bereits im April wird auf Quartiersuche gegangen: „Wir sind gerade dabei, uns ein nettes Haus zu mieten, hübsch möbliert, in einem kleinen Kurort eine Stunde von Wien entfernt – ganz von herrlich bewaldeten Hügeln umgeben", verkündete der amerikanische Dichter. Vierzehn Tage später berichtet Mark Twain an eine andere Adresse: "Wir haben eine möblierte Villa am Ende eines Wasserkurortes gemietet. Frau Clemens und Jean wollen die Kur gebrauchen. Mit dem Zug benötigt man eine halbe bis eine dreiviertel Stunde nach Wien. Die Villa ist sehr hübsch gelegen. Dichter Föhrenwald grenzt unmittelbar an den rückseitigen, Garten, und rundherum befinden sich bewaldete Hügel. Unsere neue Adresse lautet: Kaltenleutgeben bei Wien, Villa Paulhof." (weitere Infos über Twains Aufenthalt in Kaltenleutgeben >>>)
Durch eben diesen "dichten Föhrenwald" geht es nun in gemächlicher Steigung an der Karlsquelle vorbei Sieben Eichen Richtung Rotes Kreuz. Der gut gekennzeichnete Weg erklärt sich von selbst, nach 15 Minuten haben wir das Kreuz erreicht. Nun nicht mehr grün markiert, sondern blau auf breiter Forststraße unsteil Richtung Ramaseck. Trapperspuren verraten, dass uns jemand zuvorgekommen ist bei der Erstbegehung des frischen Schnees. Macht's nichts, gerne folgen wir ihm nach und überschreiten den Lattermaißberg (Sportplatz). Wir sind vollkommen alleine, genießen die durch den Morgennebel dringende Sonne und die von schmelzendem Schnee funkelnden Baumkronen. Rot markiert um eine Weide und an der Helenenquelle vorbei zum Ramaseck und seinem "Naturdenkmal Kraftplatz Sieben Eichen" (siehe Bild rechts). Wer sich in die Mitte der über 200 Jahren alten Eichen stellt, soll die positive Energie der Bäume spüren. Wer's glaubt ...
Von hier rot markiert in sanftem Auf und Ab auf den Hinteren Gernberg. Ungewohnt für hiesige Verhältnisse: Wir haben Wald und Flur für uns allein! Sobald wir auf die Gabelung Sulzer Höhe treffen, blau, später gelb markiert voran. Nach der Überquerung einer Landstraße gelb markiert auf einem sehr gemütlich ansteigenden Waldweg bis zur weiten Wiesenfläche der Sulzer Höhe. Hoch-Genuss in zweifacher Hinsicht! Während wir über die almartige Fläche stapfen, sollten wir auf die Aussicht achten: Wienerwald, Gutensteiner Alpen, weit hinten lugt sogar der Schneeberg herüber. Kurz durch eine Siedlung bis zu einer Straße, der wir nach links folgen bis uns vor einer großen Sendeanlange der Wegweiser "Höllenstein" nach rechts lenkt. Nun wieder über Wiesen, dann auf breitem Waldweg bis zur Schöffel Bergrettungshütte (Aussicht!). Bei der nun folgenden "Norwegerwiese" kommen wir an einer kleinen historischen Sehenswürdigkeit vorbei. Unglaublich, aber wahr: Im Jahre 1890 beeindruckte hier der Bäckergeselle Wilhelm Bismark Samson mit seinen rasanten Abfahrten und Sprüngen. 15 m weite "Flüge" galten für damalige Zeiten als rekordverdächtig! Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Kaltenleutgeben einen Skiverleih mit 30 Paar Brettln und fanden auf der nach heutigen Maßstäben als "Babypiste" geltenden Wiese auch österreichische Ski-Meisterschaften mit allen damaligen Stars des weißen Sports statt. Eine der vielen Wiegen des Skilaufs in Österreich also.
Vom einstigen Lift sind nur mehr der Stützen zu sehen, also gehen wir weiter und haben kurz danach auch schon das Höllensteinhaus erreicht (3,5 Stunden). Mit der Hütte verwachsen der 1880 von den Naturfreunden Mödling aus Steinen erbaute Julienturm. Wer dort hinaufsteigt (außer es ist wegen Eisbelags untersagt, wie mir), wird ein 3D-Panorama vom Wechsel bis zum Schneeberg, Schneealpe, Reisalpe und Hochstaff erleben. Nach ordentlicher Einkehr das Finale: Ein Stück zurück bis zur Norwegerwiese und der dortigen Abzweigung am sog. Sisi-Wanderweg nach Kaltenleutgeben hinunter. Während es anfangs noch auf einer meist geräumten Straße dahingeht, zweigt bei einer Unterstandshütte der Weg nach links auf eine Weide, später in stimmungsvollen Wald ab. Wir folgen stets dem Wegweiser "Kaltenleutgeben Zentrum" bzw. "Kirche". Kurz vor dem Ziel noch ein nettes Aussichtsbankerl mit großartigem Blick über Kaltenleutgeben. Nach etwa einer Stunde vom Höllenstein aus erreichen wir schon die Kirche und damit den Ausgangspunkt. Resümee: Mark Twain hätte mit dieser Tour seine Freude gehabt.

Weitere Bilder

Rotes Kreuz Wald Sulzer Höhe Julienturm Kaltenleutgeben
Vergrößern durch Klick auf Bilder

Lexikon: Kaltenleutgeben

Um die Jahrhundertwende galt Kaltenleutgeben, die "Perle des Wienerwaldes", als weltberühmter Kurort, wo auch Kaiserin Sisi, Literatur-Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz oder der weltberühmte Erzähler Mark Twain oftmals oder einmal für längere Zeit verweilten. Heute präsentiert sich Kaltenleutgeben als moderne Gemeinde umgeben von großen Waldgebieten mit ihren typischen das Landschaftsbild auflockernden Wienerwaldwiesen.
Quelle:www.kaltenleutgeben.gv.at (mehr erfahren >>>)

Video



Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
PKaltenleutgeben – Karlsgasse (Mark Twains Haus Nr. 3) – Rotes Kreuz – Lattermaißberg (452 m) – Naturdenkmal "Kraftplatz Sieben Eichen" (Ramaseck) – Hinterer Gernberg – Sulzer Höhe – Schöffel Bergrettungshütte – Norwegerwiese – Höllenstein (645 m, Höllensteinhütte, Julienturm) – Sisi-Wanderweg – Kaltenleutgeben
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up pfeil down 500
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up pfeil down ca. 4½–5 Stunden
Schwierigkeiten:
Keine
Eignung für Kinder:
Nur für sehr gehfreudige Kinder geeignet
Eignung für Hund & Katz':
Nicht geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Höllensteinhütte
Karte:
Freytag & berndt "Wiener Hausberge"
Wikipedia-Wissen:
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