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Schneeschuh-Geocaching im WienerwaldGeocaching

Schneeschuhwanderung auf Rossgipfel & Steinplattl; Text/Bilder: © Thomas Rambauske

Ausgerüstet mit GPS-Gerät, Kugelschreiber, Schneeschuhen und jeder Menge Entdeckerlust machen wir uns auf eine sog. "Geocaching"-Schatzsuche in die schneebedeckte Hügelwelt des Wienerwaldes. "Geocaching" ("Geo" für "Erde" und "Cache" für "geheimes Lager") ist eine moderne und familienfreundliche Spielart der Schnitzeljagd und hat sich mittlerweile zu einem Versteck- und Suchfieber entwickelt, das weltweit Millionen GPS-Abenteurer infiziert hat.

Geocaching – das Prinzip

Das Prinzip ist einfach: Jemand versteckt etwas, meist Dosen mit kleinen Tauschgegenständen wie Überraschungsei-Figuren und einem Notizbüchlein, dem sog. "Logbuch"; dann veröffentlicht er das Versteck in Form von Koordinaten auf einer Geocaching-Plattform wie www.geocaching.com; wer den Cache suchen will, überträgt die Koordinaten des Geheimplatzes auf sein GPS-Gerät und macht sich auf Schatzsuche. Wer die Dose findet, beweist seinen Erfolg mittels Eintrag ins Logbuch und darf einen Gegenstand entnehmen, nicht ohne aber einen adäquaten hineinzulegen, schließlich versteckt man die Dose wieder an derselben Stelle – für den nächsten Schatzsucher. Ein spaßig-spannendes Spiel für Kinder und das Kind im Erwachsenen.
Idealerweise liegen auf den höchsten Punkten des Rossgipfels und des Steinplattls zwischen Klausen-Leopoldsdorf und Breitenfurt vor den Toren Wiens zwei solcher Caches – und genug weiße Unterlage, um die Schneeschuhe anzuschnallen und nach Alaska-Art loszustapfen. Statt der sowieso kaum vorhanden Markierungen helfen uns die heruntergeladenen Koordinaten der Gipfelschätze weiter, also nur schnurstracks dem Zeiger des GPS-Gerätes nach und querbeet durchs winterliche Gehügel des Wienerwalds!

Goldrausch am Rossgipfel

Der Rossgipfel ist trotz seiner geringen Höhe von nur 633 m in zweierlei Hinsicht ein Kultberg: Einerseits weil er zu den wenigen Wienerwaldbergen mit Gipfelkreuz und Gipfelbuch gehört und dennoch kein markierter Weg zu seinem höchsten Punkt führt. Andererseits weil dort seit rund Jahren ein rätselhafter Berggesell namens "Bruno" unterwegs ist. Bruno Eisblumeerläuft seit dem Jahr 2002 beinahe täglich, mitunter auch zwei bis drei Mal pro Tag, den Rossgipfel und hinterlässt im dortigen Gipfelbuch seine nachlesbaren Spuren samt Gehzeit und fortlaufender Zählung seiner Bergläufe. Über meine zufällige Begegnung mit Bruno und seine Beweggründe kann an dieser Stelle nachgelesen werden ...

Wir lassen das Auto kurz nach Klausen-Leopoldsdorf im Hainbachtal stehen und folgen einer rot markierten Forststraße (Weg 448) Richtung Weidenbach. Etwas bergan, bis ein kleiner Waldsteig nach links abzweigt. Über einen Bach und weiter bergab bis zu einer Asphaltstraße. Dort nach rechts, wo gleich nach einer Kurve Weidenbach auftaucht (450 m, 1/2 Stunde), ein Weiler mit einigen Häusern und Wiesen. Nun ein kleines Stück Richtung Buchelbach/Sulz, über einen Bach, schließlich unmarkiert und weglos nach Südost über eine Forststraße. Durch eine gerade noch erahnbare Schneise bergan, bis eine weitere Forststraße gequert wird. Danach kurz eben, dann wieder etwas steiler, bis links eine gut ausgeprägte und überaus gepflegte Waldschneise zum Gipfel führt.

Wo ist die Dose?

Nur noch 30 Meter ... 25 ... 20 … "Ankunft beim Rossgipfel-Cache", vermeldet mein Garmin Dakota (1,5 Stunden). Den höchsten Punkt des Rossgipfels markiert ein kleines Kreuz, das einem Grabkreuz ähnlicher sieht als einem Gipfelkreuz, samt Buch (mit seitenweise roten Eintragungen von Bruno, dem Rossgipfelphantom). Ringsum wachsen Bäume hoch, nur ansatzweise lassen Waldlücken eine Art Ausblick zu. Ansonsten herrscht hier eine Stille wie selten auf einem Wienerwaldberg. Bis auf 20 m genau befinden wir uns laut GPS-Gerät an jenem Geheimplatz, wo in einer Plastikdose ein Schatz versteckt sein soll. Gepackt von einer Art Goldrausch suchen wir – natürlich mit der äußerster Natursensibilität – das Gelände nach geeigneten Verstecken ab, beäugen jede Baumwurzel, jeden Stein und entdecken vorerst ... nichts. Von der Dose keine Spur. Dabei gehört dieser "Traditional Cache" noch zu den leichtesten. Von den 15.000 in Österreich und 1.200.000 weltweit versteckten Caches müssen viele ertaucht, erklettert, errechnet, erknobelt und vor allem erwandert werden. Was zugleich auch die Faszination des Geocachings erklärt: Es macht Spaß zu suchen und zu rätseln, es reizt die Herausforderung, etwas zu finden, man hat einen zusätzlichen Grund hinauszugehen, man wird zu Orten geführt, die man so nie kennengelernt hätte ... und Kinder müssen nicht erst zu Ausflügen überredet werden. Überzeugte Couch-Potatoes vergessen bei aller Suchlust mit Garantie den sonst üblichen Wanderfrust und laufen, getrieben vom Schatzfieber, stundenlang durch die Botanik, ohne auch nur einmal zu jammern. Wunderdroge Geocaching!
Geocache Nach nur wenigen Minuten, in denen wir durch die Gegend schnüffeln, werden wir schließlich unter einem Wurzelstock fündig. Ein Jubelschrei, der Schatz ist gefunden! In der Dose Homer Simpson mit entblößtem Po, ein Kuscheltier, ein hübscher Halbedelstein und das Logbuch, in das wir uns eintragen. Simpson nehme ich mit als Geschenk für einen Simpsonfan und hinterlasse einen Glückbringer. Nachdem der Cache wieder penibel versteckt wird, stapfen wir weiter der Peilung "Steinplattl" nach. Auf dem Weg dorthin werden wir vergeblich nach Markierungen suchen, nur die konsequent nach Norden weisende Kompassspitze des GPS-Gerätes weist den Weg. Also immer gen Norden zuerst eine Schneise hinab bis zu einer Lichtung, wo die erste Forststraße gequert wird …

Alaska-Feeling am Steinplattl

Wer behauptet, das Geocache-Volk sei verrückt, hat unrecht. Es ist sehr verrückt. Die wohl extremsten Caches sind auf der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz, im Wüstensand Libyens oder im Eis der Antarktis versteckt. Die größte Herausforderung stellt wohl jener Schatz dar, den einer der bisher sieben Weltraumtouristen, Richard Garriott, in der Internationalen Raumstation ISS versteckt hat. Der Cache umkreist die Erde mit 17.000 km/h in 350 km Höhe. Genau diesen Schatz werde ich mir vorknöpfen, nachdem ich den "Steinplattl-Cache" gefunden habe …

AlaskaEs ist eine durch und durch beglückende Freude, so frank und frei durch die Schnee- und Seelenlandschaft des Wienerwaldes zu stapfen. Keine Lawinengefahr, keine Menschenseele, nur Wald, der Geruch des Winters und das Knarren alter Bäume. Da kommt Alaska-Feeling auf gepaart mit dem Goldrausch des 19. Jahrhunderts. Hier eine genauge Wegbeschreibung zu liefern, hätte wenig Sinn. Es geht einfach mal runter, mal rauf, dann wieder runter, mal über Güterwege, Kämme, Lichtungen, Schneisen – jeder suche sich seinen Weg, Hauptsache: immer gen Norden! Einziger Anhaltspunkt ist die Landstraße, die sicher gequert wird. Ein zweites Mal müssen wir aufpassen, wenn wir knapp vor der Gipfelankunft eine Forststraße mit blauer Markierung überqueren. Hierher müssen wir zurück, zumal wir für den Rückweg sehr wohl den markierten Weg benützen werden.
Auch das um wenige Meter höhere Steinplattl (649 m) gehört zu den fast vergessenen Wienerwald-Stiefkindern, denen gemeinsam ist, dass sie ein Refugium für Genießer sind, die großer Abgeschiedenheit und beschaulichem Walderlebnis gegenüber ausgetretenen Gipfelpfaden den Vorzug geben. Und: Auch das Steinplattl ziert ein kleines Gipfelkreuz und ein Gipfelbuch (2 Stunden). Steinplattl Mit einem leisen "Piep" meldet sich mein GPS-Gerät: "Ankunft beim Steinplattl-Cache". Diesmal dauert es keine drei Minuten, ehe ich wenige Meter vom Kreuz entfernt im Wurzelwerk einer Lärche eine große Dose finde. Darin allerlei Seltsames wie ein Spitzer, ein Stecker für eine Steckdose und eine Digital-Uhr, die allerdings durch den Dauergriff der Kälte ihren Geist aufgegeben hat. Nichtsdestoweniger: Schatz bleibt Schatz – und wir haben ihn gefunden!
In der Umgebung wären noch einige zu suchen und zu finden, wir müssen aber angesichts drohender Dunkelheit zurück, wenden uns jener Forststraße zu, über die blau markiert unser Rückweg ins Hainbachtal verläuft. Zuerst etwas bergab, dann wieder bergauf zum Kreuzeck (593 m) und wenig später über das Vordere Kreuzeck der untergehenden Sonne entgegen. Kurz nach dem Mitterriegel verweist uns unser GPS, das wir am Beginn der Tour mit den Ausgangs-Koordinaten gefüttert haben, um 90° nach links hinunter genau zum Gefährt zurück (1,5 Stunden).
Eine letzte Aufgabe haben wir noch, nämlich unsere Funde auf geocaching.com zu "loggen" und eventuell mit Bildern zu versehen. Und weil wir schon dabei sind, suchen wir – schon wieder im Goldfieber – nach anderen Schätzen. Am Großvenediger wäre etwa einer versteckt oder am Schneeberg, aber das sind andere Geschichten ...

Weitere Bilder

Futter Brunos Gipfelbuch Steinplattl Steinplattl Eisblume
Vergrößern durch Klick auf Bilder

Lexikon: Wichtige Begriffe

Traditional Cache: Der am häufigsten anzutreffende Cachetyp. Beim Traditional werden die Koordinaten des Verstecks direkt veröffentlicht, so dass man ohne Umwege direkt zum Cache geführt wird. Es gibt viele Gründe, Traditionals zu verstecken. Sowohl der flotte Quickie am Wegesrand, als auch die Box am Ende einer langen Wanderung haben je nach Motivation des Suchenden ihre Berechtigung. Besonders erfreulich ist es jedoch in jedem Falle, wenn man an einen besonderen Ort geführt wird (im positiven Sinne), den man ohne Geocaching vermutlich nie erkundet hätte.

Multi-Cache: Der Cache muss durch das Auffinden verschiedener Stationen (Stages) erarbeitet, erknobelt, erkombiniert werden.

Earth Cache: Earth Caches liegen an geologisch interessanten Punkten. Ähnlich wie beim Traditional Cache geht man gleich zu den Koordinaten. Dort befindet sich jedoch kein Cachebehälter, sondern man muss andere Logbedingungen erfüllen. In den meisten Fällen besteht diese Bedingung darin, dass man sich vor Ort fotografieren muss und das Bild im Internet zusammen mit dem Log einstellt. Earth Caches können nur gelegt werden, wenn der Punkt z. B. als Geotop geführt wird und in der Liste des jeweiligen Staatsministerium für Umwelt auch gelistet ist.

Unknown, Mystery oder Rätselcache
: Die angebenen Koordinaten sind nicht die des eigentlichen Versteckes, sondern befinden sich meist lediglich in der Nähe. Um die Finalkoordinaten zu erhalten, muss zuerst ein Rätsel gelöst werden. Danach kann es wie ein Traditional zu den Koordinaten gehen, oder es beginnt ein Multi- oder auch ein Nachtcache.
Früher wurden auch Caches, für die eine besondere Log-Bedingung (z.B. Foto) gilt, als "Unknown" Cache geführt. Dies ist nach einer Änderung der Guidelines von Geocaching.com (Wegfall von Logbedingungen im April 2009) nicht mehr möglich. Es sind nur noch Challenges als Logbedingung möglich.

Muggle: Der Begriff Geomuggle oder auch kurz Muggle stammt aus den Harry-Potter-Romanen (Joanne K. Rowling) und bezeichnet dort der Zauberei Unkundige. Beim Geocaching bezeichnet er Menschen, die unwissend in Bezug auf Geocaching sind. Vor Geomuggles sollte man sich besonders hüten, wenn man einen Cache aus seinem Versteck zieht oder ihn nach dem Loggen wieder versteckt

Cache In Trash Out (CITO) bedeutet so viel wie "Cache/Dose rein, Müll raus". Gemeint ist damit zunächst ganz allgemein, dass man den Müll, der gelegentlich von anderen Spaziergängern in der Natur zurückgelassen wird, und über den man beim Geocaching häufig stolpert, einsammelt und umweltgerecht entsorgt. Des weiteren natürlich, dass man selbst keinen Müll hinterlässt.

TFTC: Thanks for the cache, deutsch: Danke für den Cache.

Quelle
: cachewiki.de (mehr erfahren >>>)

Video



Ausgangspunkt:
Größere Kartenansicht
Route:
Route: Hainbachtal – Weidenbach – Rossgipfel (633 m) – Steinplattl (649 m) – Kreuzeck (593 m) – Mitterriegel – Hainbachtal
Gesamthöhenmeter:
Pfeil up pfeil down 500–600 (je nach gewählter Linie)
Gesamtgehzeit (in Stunden):
Pfeil up pfeil down ca. 5–6
Schwierigkeiten:
Trotz der Harmlosigkeit der Wienerwald-Hügel wird ein sicherer Umgang mit dem GPS-Gerät vorausgesetzt, will man zeitgerecht wieder zurück sein.
Eignung für Kinder:
Wenn gehfreudig, gut geeignet
Eignung für Hund & Katz':
Wenn gehfreudig und schneefest, gut geeignet
Ausrüstung:
Einkehrmöglichkeiten:
Keine
Karte:
Freytag & berndt "Wienerwald", Bl. 16
Geocaches:
Wikipedia-Wissen:
Hilfreiche Links:

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