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Weihnachten am Ötscher

Ötscher

Winterwanderung von Lackenhof auf Großen und Kleinen Ötscher
Mostviertel, 11. Dezember 2003

Von Thomas Rambauske

Intro

"Fudschijama" Niederösterreichs, "Vaterberg", "Hohe Majestät" - vielfältig sind die Titel, die man dieser wirklich imposanten Berggestalt gegeben hat. Wen wundert's also, dass der Ötscher einst als Sitz von Göttern, Geistern und Hexen galt und sich zahllose Sagen und Mythen um ihn ranken. Berühmt auch die bizarren Felslandschaften der Tormäuer und Ötschergräben sowie der Aufstieg über den Rauen Kamm.

Als Winterwander-Berg bietet sich der Ötscher vor allem dann an, wenn auf den Pisten wegen Schneemangels noch Ruhe herrscht. Und unverhofft kann es dort zu einem besonderen Weihnachtserlebnis kommen, wenn man zu spät dran ist ...



Aufstieg

Lackenhof (Liftparkplatz, 809 m) - Riffelboden (1050 m) - Riffelsattel (1284 m) - Ötscher Schutzhaus (1418 m) - Ötscher (1893 m)

HU ca. 1090 m / GZ 3-3,5 Stunden

Blick auf Hochschwab

 

Das Auto bleibt auf dem Liftparkplatz eingangs des Sulzgrabens stehen. Von dort den Wegweisern nach in Richtung Riffelsattel. Die sog. "Ötscher Wanderstrecke" verläuft anfangs auf einem Fitnessparcours, quert kurz die Ski-Piste, führt 25 Minuten an einem Kreuz vorbei und endet nach einer Stunde am Riffelsattel mit tollem Blick auf die Gemeindealpe. Dort auch die Abzweigung zum Terzer Haus, in die Ötschergräben und zum Ötscher selbst. Links weiter über die Piste zum geschlossenen und ganz und gar nicht fotogenen Ötscher Schutzhaus (Sessellift-Bergstation, 1,5 Stunden). Nun am Schutzhaus vorbei, Stangen nach zur Abzweigung "Hüttenkogel" (kleine Hütte) und auf den flachen Westgrat des Ötscher. Im Prinzip kann hier zwischen einer engen Latschengasse und dem Gratweg gewählt werden. Bei Nebel ist vom Grat abzuraten, manche sind dort schon vom Weg abgekommen und in arge Schwierigkeiten geraten. Bei sichtigen Verhältnissen bietet diese Variante natürlich eine herrliche Panorama-Kulisse mit Gemeindealpe, Zellerhüten, Hochschwab, Gesäuse, ja bis zu den Hohen Tauern soll der Blick an klaren Tagen reichen. Nach etwa 3-3,5 Stunden ist der Gipfel des Vaterberges erreicht. Die phänomenale Rundumsicht und winterliche Stille dort oben lassen sämtliche Alltagssorgen vergessen.

Am Gipfel


Kleiner Ötscher, Abstieg

Riffelsattel (1284 m) - Kleiner Ötscher (1552 m) - sonst w.o.

HU 300 m / GZ 1 Stunde

Am Kleinen Ötscher

 

Blick zum großen Bruder

Zu Unrecht wird der kleine Bruder des Großen Ötscher im wahrsten Sinne des Wortes gern links liegen gelassen. Vor allem im Sommer, wenn sich bei schönem Wetter die Besucher des Großen Ötscher die Gipfel-Klinke in die Hand geben, herrscht am Kleinen selige Ruhe.

Auch ich hatte den Kleinen Ötscher bei meiner adventlichen Wintertour nicht eingeplant und wollte am Riffelsattel schon daran vorbei, als ich mich dann darauf besann, ihn zu Trainingszwecken doch "mitzunehmen". Also durch enge Latschengassen und kleine Lichtungen nochmals 300 Höhenmeter hochgequält, die Wolkendecke hartnäckig geschlossen wie schon den ganzen Tag lang. Dann aber, just als ich das kleine Gipfelplateau erreiche, bricht diese Decke, klart sich der Himmel über dem Hochschwab und wird mir ein unverhofft eindrucksvolles Erlebnis zuteil: das eines fulminanten Sonnenuntergangs. Als da die Sonne hinter dem Hochschwab verging, die Bergwelt in Goldorange tauchte und den vergoldeten Corpus des Gipfelkreuzes heller leuchten ließ als alles andere ringsum, war Advent. Und als dann das Gelb in ein flammendes Lichtfurioso zerstob und sich alle möglichen Rot- und Violetttöne in den Wolken spiegelten, war Weihnachten.

In solchen Momenten hält man den Atem an, vergisst den kühlen Wind und genießt einen jener unschätzbaren Augenblicke, derentwegen man sich ein Leben lang auf die Berge quält, und schaut, schaut ... dankbar für dieses unverhoffte Weihnachtsgeschenk ... still, zufrieden, ahnungsvoll.

Und gerät man dieser wundervollen Weihnachtsstunde wegen in die Dunkelheit, stört das auch nicht, da der Rückweg gefahrlos über die Piste verläuft und man die Stirnlampe ja immer dabei hat.

Toller Sonnenuntergang


Ötscher

Der Ötscher wurde um 1000 in den Quellen des Klosters Mondsee als "Othzan", slawisch "ocàn" = Vaterberg, erwähnt. Diesen Titel erhielt er wohl auf Grund seiner majestätischen Figur. Die erste nachgewiesene Besteigung erfolgte 1574 durch den Botaniker Karl Clusius. 1591 lässt Kaiser Rudolf II Erkundigungen nach Goldadern vornehmen, 1663 wurden am Ötscher Warnfeuer bei Türkeneinfällen entzündet. Seit 1800 ziert ein Gipfelkreuz den höchsten Punkt des "Vaterberges". Berühmt auch der Naturpark Ötscher - Tormäuer, begrenzt von den Schluchten der Erlauf (Tormäuer) und des Ötscherbaches (Ötschergräben).

Der Vaterberg

Eine im Prinzip unsichtbare Sehenswürdigkeit bilden die Ötscherbären, die hier seit 1972 wieder eingebürgert wurden und sich an den Gefielden des Vaterberges sehr wohl fühlen. Da sie jedoch sehr scheu sind, gut riechen und hören, ist ein Zusammentreffen mit ihnen höchst unwahrscheinlich.


Schwierigkeiten:
Keinerlei Lawinengefahr. Sturm, Nebel und Kälte sollten aber am Gipfelgrat Grund zum Abbruch sein.
Höhenmeter: 1090 m (+ Kleiner Ötscher: 300 m)
Gesamtgehzeit: ca. 5-5,5 Stunden (+ Kleiner Ötscher: 1,5 St.)
Beste Jahreszeit: Über den gesamten Winter
Kinder: Ab 14
Hund und Katz': Für konditionsreiche Hunde gut geeignet
Ausrüstung: Pack-Checkliste >>>
Einkehrmöglichkeiten: Ötscher Schutzhaus
Sehens- und Wissenswertes: Lackenhof am Nordfuß des Ötscher entstand im 15. Jhd. aus einem Meierhof mit Fischteich ("Hof an der schwarzen Lacke") als Gründung der Mönche der Kartause Gaming. Heute gehört Lackenhof zu den wichtigsten Winter- und Sommer-Tourismusorten des Mariazeller Landes.
Karte: Freytag & berndt, WK 031 "Ötscherland - Mariazell - Scheibbs - Lunzer See"
Internet:

Lackenhof
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