Es
ist schon ein seltsames Gefühl, wenn Nick-Names Gestalt und Postings
Stimmen annehmen. Zwölf Forumsteilnehmer folgten dem Ruf Erichs,
um gemeinsam das Hocheck, den östlichsten Tausender der
Alpen, zu besteigen. Erich ist jener Forums-Pionier, der eher
unbeabsichtigt in die Rolle des Organisators rutschte, diese aber bei
drei Touren mit Bravour meisterte.
Aber
was für ein buntes
Völkchen sich da in Furth a.d. Triesting traf, um loszumarschieren,
bis es allein von Blasen gestoppt wurde. 8 Frauen (?) und 4 Männer
(!); Werbe-Fachfrauen, Altenbetreuer, Bundesheer-Angehörige, Lehrer,
Joga-Experten; aus Oberösterreich (!), Wien und Niederösterreich
- und und und ...
Aus der virtuellen Chat-Runde wird jedoch schnell eine beherzte
Wander-Truppe ...
Warum
man hier mitgeht? Aus Lust am Wandern, um andere Menschen kennenzulernen,
weil es eben für das Mittelalter keine Touren-Angebote vom Alpenverein
gebe und man eine Gruppe aus Gleichgesinnten und Gleichverrückten
suche.
Aufbruch der Gipfeltreffen-Teilnehmer
Aufstieg
Furth
a.d. Triesting - Krennweg (bzw. Wipfelgrabenweg) - Hocheck
(F. Meyringer Warte, 1037m)
HM
ca. 600 / GZ 1,75 Stunden
Einkehr
in das Hockeckschutzhaus
Ja,
in Furth bei der Pfarrkirche waren wir noch fidel. Einen
Teil der Autos zur Mündung des Brunntalweges abgestellt,
um uns einen Straßen-Hatscher zu ersparen, und los ging's - bergauf.
Begrüßung, Vorstellung, Small Talk - diese Wanderaktion sei
wirklich eine tolle Idee, man sei froh, in die Natur zu kommen mit Gleichgesinnten,
da man zu Hause schließlich niemanden hätte für solche
Unternehmungen. Es tue wirklich gut, wieder einmal rauszukommen. Kiowa
hat sich sogar eine niegel-nagel-neue Wanderausrüstung zugelegt,
Erich hat die Wanderei überhaupt erst im April dieses Jahres entdeckt
- und mit seiner Begeisterung das ganze Forum angesteckt. "Ich
habe die Aufstiegsroute bewusst schattseitig gewählt, damit der
Weg nicht so viel Schweiß kostet", lässt er uns
wissen. Wir sind ihm alle dankbar bei glühenden 32°.
Wie
der Weg hinauf verläuft? Keine Ahnung. Man plaudert vertieft, will
wissen, wer, was, woher und warum, da kann der Weg ruhig Weg bleiben.
Nach
1,75 Stunden der Gipfel (Hocheck-Schutzhütte).
Käsebrot,
frischer Most und ein aufregender Ausblick - auf eine leder-behoste Biker-Herde.
Fesch! - Pass' auf, dass du dich nicht zu weit über das
Geländer hängst! - Der ist aber süß! Die
Männer mahnen zum Aufbruch, bevor die Geschichte außer Kontrolle
gerät. Das Gruppenfoto auf der F. Meyringer-Warte bringt unsere
Frauen wieder auf andere Gedanken.
Man
wolle nicht wieder absteigen, es sei herrlich heute, nur weiter, weiter.
Ja, in Richtung Araburg am besten. Einstimmig beschlossen. Noch
immer fidel über den Kamm - sicher der schönste Abschnitt
der Tour - in ständigem Auf und Ab zum Roten Kreuz (723m,
45 Minuten), weiter den Weg 404 in beschaulichem Auf und
Ab um den Hochriegel herum, zuletzt in ewigem Auf und Ab bis
kurz vor dem Araberg (799m, 2 Stunden) mit dazugehöriger
Araburg.
Es
wird bedenklich still in der gar nicht mehr fidelen Truppe, der Gesprächsfluss
versickert in trockenen Kehlen und müden Wadeln. Eine Blase in
neuen Schuhen und keine andere Aussicht als auf quälendes Auf und
Ab bedeuten das Ende der Tour zwischen Feigel Kogel und Araberg.
Stopp. Endstation. Remise. Während Blase und Wegbegleiter nach
Kaumberg absteigen, stapfen die Autofahrer den Kamm entlang zurück,
über nie enden wollendes Auf und Ab und Ab und Auf und ... Aus
einer Genusstour ist längst eine Überlebensfrage geworden,
die letzten Tropfen werden aus viel zu kleinen Flaschen gesaugt, man
phantasiert von kaltem Bier, frau wechselt zum vierten Mal das
T-Shirt, andere frau läuft (!) bergauf - verrückt,
Delirium alpinens in bedenklichem Stadium.
Nach
7 Stunden Netto-Gehzeit haben wir es geschafft. Eine Einkehr ins Further
Dorfwirtshaus ist noch drin,die haben wir uns verdient. Ja,
ein Abenteuer war's, an das wir noch lange zurückdenken werden,
wir haben uns wieder gespürt, sind an unsere Grenzen gegangen,
so soll's schließlich sein - und wir haben interessante Leute
kennengelernt, mit denen man im wahrsten Sinne des Wortes durch Dick
und Dünn gehen kann ...
Und
wohin geht's das nächste Mal? Wir kommen wieder!
Schwierigkeiten:
Keine.
Beste
Jahreszeit:
Immer
und bei fast jedem Wetter
Gesamtgehzeit:
7
Stunden
Höhenmeter:
Etwa
1000 m in Auf- und Abstieg
Kinder:
Bis
zum Gipfel sehr, weiterer Weg weniger geeignet.
Ausrüstung:
Pack-Checkliste
>>>;
viel Wasser mitnehmen, da es am Kamm zwischen Hocheck und Araburg keine
Tankstellen gibt!
Das
Hockeck-Schutzhaus
(Österreichischer Touristenklub) ist ganzjährig bewirtschaftet,
nur freitags hält man Ruhetag. Tel.: 02673/2306 oder 0664/1017583.
Die
F. Meyringer-Warte war als vormalige
Franziska-Warte im 2. Weltkrieg abgebrannt. Die jetzige Holzwarte
wurde 1974 unter der Ägide des ÖTK erbaut und F. Meyringer
geweiht.
Franz Meyringer, 1957 � 1980,
war Vorstand des ÖTK, Sektion Triestingtal.
Weissenbach
liegt im Herzen des Triestingtales, und am Rande des größten
Schwarzföhrengebietes Mitteleuropas.